Vom Handwerkerauto zum Edel-Pick-up: 84er VW Caddy mit Lederinterieur und prachtvoll getuntem GTI-Motor

Was fällt euch ein, wenn das Wort „Caddy“ fällt? Autokenner haben sofort das klassische Handwerkerauto vor Augen: Einen VW Caddy mit Schiebetür, Touran-ähnlicher Front, Multifunktions-Einrichtung für Werkzeug, Ersatzteile und Schrauben, auf der Ladefläche. Die Farbe ist meist tristes Grau oder banales Weiß, dazu etliche Meter unlackierter Plastikstoßstangen, hier und da etwas ramponiert und im harten Kundendienst-Alltag alles andere als geschont.

 

Kantiger Kult: Der VW Caddy 14D ist selten geworden

 

Ältere Semester unter euch dürften hingegen einen etwas anderen Caddy in Erinnerung haben. Ursprünglich für den nordamerikanischen Markt konzipiert, glich er einem Golf 1 Pick-up mit verlängerter Ladefläche und war die beliebte „Postkutsche“ der damaligen Deutschen Bundespost. Der Caddy für den europäischen Markt lief ab 1983 bei TAS (Tvornica Automobila Sarajevo – Automobilwerk Sarajevo) im ehemaligen Jugoslawien vom Band und unterschied sich ab der B-Säule gänzlich vom Golf.

Weitere Unterschiede zum Konzernbruder waren der verlängerte Radstand, der gewachsene Radstand und die Hinterachskonstruktion aus Starrachse mit Blattfedern, um einer höheren Zuladung gerecht zu werden. Der Zahn der Zeit hat die meisten Caddys vom Typ 14D dahingerafft, schließlich wurden sie in ihren ersten im Regelfall hart rangenommen, Pflege war für viele ein Fremdwort und so hatte der Rost ein leichtes Spiel mit dem Blech.

 

Dieser Caddy sah noch nie so gut aus wie heute

 

Von daher kann René von einem Glücksfund sprechen, den er im Jahr 2000 in Staßfurt machte. Außer leichtem Rost und jeder Menge Dellen brachte sein 1984er Caddy gute Voraussetzungen mit. Nach über 14 Jahren trauter Zweisamkeit hat zumindest der Wagen in der Beziehung kein bisschen gelitten, noch nie sah er so gut aus wie heute. Das er hat natürlich René zu verdanken, der zwei Mal neu aufbaute. Die erste Bauphase ging von 2000-2003, in den Jahren 2006-2009 wurde dann noch einmal Hand angelegt.

Tief kauert der einstige Lastesel auf der Straße. Dreiteilige BBS E30-Rennsportfelgen mit Magnesium-Sternen (in original BBS-Gold lackiert) in 8 x 14 ET15 vorn und 9 x 14 ET10 hinten drehen sich unter dem bearbeiteten Blech, 195/45er und 215/40er Contis sorgen für satten Straßenkontakt. An der Vorderachse brachten FK-Gewindefederbeine den Caddy dem Asphalt näher, hinten kamen rote Konis zum Einsatz. Die Blattfedern wurden bearbeitet und über der Achse montiert – eine durchaus gängige Praxis bei der Caddy-Tieferlegung.

 

BBS-Felgen und signifikanter Tiefgang machen Eindruck

 

Als Basis für einen zünftigen Vortrieb implantierte René einen 1,8-Liter-GTI-Motor,  dem einige Verfeinerungen zu teil wurden, darunter geweitete Kanäle und geschliffene/polierte Ventile sowie eine Schrick-Nockenwelle mit 306°-Steuerzeiten. Dazu kamen 40er Weber-Doppelvergaser, die von einer Mitsuba-Spritpumpe versorgt werden. Für eine zügige Entsorgung der Verbrennungsreste nach dem Fächerkrümmer ist eine komplette Schrick SR1-Abgasanlage zuständig, die zudem noch einen ordentlichen Sound von sich gibt.

 

140-PS-Prachtexemplar: Getunter GTI-Motor mit 40er Weber-Doppelvergaser

 

Die per Prüfstand verbrieften140 PS, die das Triebwerk leistet, sollten freilich auch optisch nicht zu kurz kommen. Also schliff, verchromte und polierte René, was das Zeug hält und mit Hilfe seines Freundes Jörg wurde die Spritzwand entfernt und die Batterie versteckt. Auch das Exterieur wurde mit schwarzen Golf 1-Fadenkreuzscheinwerfern und einer kleineren Stoßstange vorn verfeinert. Die Heckklappe musste einem ProNet-Netz weichen, die Heckstoßstange wurde entsorgt und obendrein bekam der Caddy eine neue Ladefläche eingeschweißt sowie eine verschweißte/verzinnte Sicke an der B-Säule. Der Unterbodenschutz ging komplett flöten, stattdessen wurde der Wagen untenrum in Beige lackiert.

Edles Leder und klare Verglasung als i-Tüpfelchen

Dem Innenraum gönnte der VW-Fan einen kompletten Überzug der GTI-Sitze, des Ur-GTI-Armaturenbretts und des 30er Momo-Lenkrads mit beigem Leder. Außerdem wurde ein auf Hochglanz polierter Überrollbügel und eine kristallklare Verglasung inklusive den Ausstellfenstern verbaut, die einen brillanten Blick nach draußen wie nach drinnen bietet. Für die Unterhaltung unterwegs ist ein uraltes Käfer-Radio mit einem einsamen Lautsprecher zuständig, der sich allerdings vergeblich bemüht, gegen die Geräuschkulisse des Motors und der Auspuffanlage anzukommen. Ist letztendlich auch gar nicht nötig, denn der beste Sound kommt bei Renés Caddy eh von vorn, wenn sich die Klappen der 40er Weber gierig öffnen.

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