Vom 1-Liter-Auto zum High-Tech Raumgleiter: Volkswagens XL1

Die Geschichte des XL1 begann im Jahr 2002, als der damalige Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piëch, mit einem Prototyp, der nur als „1-Liter-Auto" bekannt war, zur Hauptversammlung des Unternehmens kam. Das bis dahin geheim gehaltene 1-Liter-Auto war ein zweisitziges Fahrzeug mit Raumschiff-Optik, angetrieben von einem Einzylinder-Saugdieselmotor mit Direkteinspritzung, der mittig vor der Hinterachse positioniert war und mit einem Doppelkupplungs-Sechsgang-Automatikgetriebe gekoppelt war. Der 300-ccm-Motor leistete nur 8,5 PS, aber in Kombination mit seinem geringen Gewicht von 290,3 kg und dem unerhörten Luftwiderstandsbeiwert von 0,159 schaffte das Auto eine Reichweite von 100 Kilometer mit einem Liter Treibstoff (genauer gesagt: 0,99 Liter). Mit seinen technischen Errungenschaften, der aerodynamischen Form, den Tandem-Sitzen und den Flügeltüren war das 1-Liter-Auto wie ein Blick in die Zukunft.

 

Seine Weiterentwicklung schritt voran, und auf der Frankfurter Automobilausstellung 2009 wurde das L1-Konzept enthüllt. Etwas größer und schwerer, wurde der L1 von einem neuen 800-ccm-Zweizylinder-TDI-Motor mit Direkteinspritzung und 24 PS angetrieben. Außerdem verfügte er über ein neues Hybrid-Elektro-System, das einen 40-prozentigen Anstieg des Drehmoments und eine Reichweite von einigen Kilometern im reinen Elektrobetrieb ermöglichte. Das L1-Konzept erreichte eine Reichweite von bis zu 669,48 km bei einem Verbrauch von 1,244 l auf 100 km. Mit einer Designsprache, die mehr mit der aktuellen Volkswagen Produktpalette übereinstimmte, sah es so aus, als ob ein Serienmodell in Arbeit sein könnte.

 

Zwei Jahre später, auf der Qatar Motor Show 2011, präsentierte Volkswagen das Modell XL1, das bisher fortschrittlichste 1-Liter-Auto. Der 800-ccm-Zweizylinder-TDI-Motor des XL1 leistete 48 PS, während der Elektromotor, der von einer 5,5-kWh-Lithiumbatterie gespeist wurde, von 14 auf 27 PS anstieg. Dank dieses neuen Antriebsstrangs erreichte der XL1 im europäischen kombinierten Testzyklus trotz einer Gewichtszunahme auf 795 kg einen Verbrauch von lediglich 0,7514 l / 100 km und konnte 49,9 km allein mit Strom fahren. Die offensichtlichste Veränderung war jedoch das Äußere: Der XL1 war breiter und einen Tick konventioneller als seine Vorgänger - obwohl er immer noch mit nichts anderem auf der Straße zu verwechseln war.

 

Die Sitze waren nun gestaffelt und saßen versetzt zueinander in einem zentralen Kohlefaser-Monocoque, das durch ein kosteneffizienteres Resin-Transfer-Molding-Verfahren hergestellt wurde, das den XL1 näher an die Massenproduktion brachte. Das gesamte Monocoque wog nur 89,36 kg, und auch sonst wurde überall, wo es möglich war, Gewicht eingespart. Mit seinen Magnesiumrädern und dem extrem niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,19 konnte der XL1 mit etwas mehr als 8 PS eine Geschwindigkeit von 100 km/h erreichen.

 

Hinter dem Lenkrad zeigte der XL1, dass "effizient" nicht gleichbedeutend mit "langweilig" sein muss. Seine ultra-aerodynamische Form bedeutete, dass bei Autobahngeschwindigkeiten ein leichter Druck auf das Gaspedal genügte, um die Leistung zu entfalten. Die fehlende Servolenkung verlieh dem Lenkrad ein schweres, aber kommunikatives Gefühl und bot eine taktile Reaktion, die vielen modernen Fahrzeugen fehlt. Das Cockpit ist spartanisch gestaltet, aber gut ausgestattet; alle notwendigen Bedienelemente liegen in Reichweite des Fahrers, einschließlich Klimaanlage und GPS. Eine Sache, an der es dem XL1 nie mangelte, war die Aufmerksamkeit: Bei Stadtgeschwindigkeit und nahezu geräuschlosem Betrieb mit reinem Elektroantrieb verdrehte er jedem Kopf, an dem er vorbeifuhr. Der XL1 war ein wirklich einzigartiges Fahrerlebnis.

 

Die einzigartigen Materialien und die Technologie des XL1 machten ihn zu teuer für eine Großserienproduktion. So wurden nur 250 Autos gebaut, von denen 200 in Europa an die Öffentlichkeit verkauft wurden. Sie werden nur selten zum Verkauf angeboten und wenn, dann zu Preisen, die in der Nähe des ursprünglichen Preises von 111.000 Euro (damals etwa 150.000 Dollar) liegen. Die Technik hat es nicht ganz geschafft, den XL1 für die breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, aber das Auto bleibt dennoch ein unvergleichliches Automobil. (Fotos: Volkswagen AG)

 

 

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