Völlig abgefahren: Porsche 924 mit luftgekühltem Heckantrieb

(D 2013) Regie: Holger Ehlers, Kai Breyer: Der Hauptdarsteller dieser völlig abgefahrenen Tuningstory ist ein Porsche 924 aus dem Jahr 1977. Dieser scheint auf den ersten Blick nur ein sehr tiefer Zuffenhausener Sportwagen mit 17-Zoll-BRM-Rädern zu sein....

....Schielt man an den Vorderrädern entlang, ist da verdächtig viel Leerraum, wo eigentlich der Motor sitzen müsste. Porsche hatte den bei Fans ungeliebten 924er in Transaxle-Bauweise konzipiert. Das bedeutet, das Getriebe sitzt nicht am Motor, sondern an der angetriebenen Hinterachse. Das erklärt aber nicht die gähnende Leere im Vorderbau dieses 924ers.

Dieser Porsche 924 läuft luftgekühlt!

Des Rätsels Lösung: Seine beiden Erbauer, Holger Ehlers (Pseudonym „IBD“) und Kai Breyer, verfrachteten den Motor wieder dahin zurück, wo er ihrer Meinung nach bei einem Porsche auch hingehört –- nach hinten! Bei der Gelegenheit tauschten sie ihn gleich gegen einen 1.600 ccm Typ1-Motor. Richtig gelesen, der wassergekühlte Porsche mutierte zu einem lufgekühlten! Diese Idee, bei ein paar Flaschen Dortmunder Pils sorgfältig gereift und für genial befunden, hatte bisher noch keiner umgesetzt, wie die ausgiebigen Recherchen der Beiden im Netz ergaben. Glücklicherweise fand sich ein passendes „Opferauto“ für wenige hundert Euro Anfang Dezember 2012 ganz in der Nähe.

Am „früher verspoteten „Hausfrauenporsche“ wurde eifrig operiert

Der Gesamtzustand des 924ers war einfach nur erbärmlich. Aber das sollte nicht weiter schlimm sein, –denn gut erhaltene Modelle wurden inzwischen zu respektablen Preisen gehandelt und somit war das Low-Budget-Projekt nicht gefährdet. Neben umfangreichen Blechpartien wurde logischerweise der gesamte Antriebsstrang aus dem Wagen herausoperiert, genau wie der Tank und Teile des Bodens im Heck. Im Laufe der Zeit hatte sich an den kuriosesten Stellen Wasser in der Karosserie gesammelt.

Der 924er bekam einen „Übergangsmotor“ verpasst

Das geplante Spendertriebwerk erwies sich aufgrund inneren Totalschadens als Rohrkrepierer. Schrauberkollege Paul erkannte das Potenzial des Luftwerks genannten Projekts und stellte übergangsweise ein Triebwerk zur Verfügung, das im Plug´n´Play-Verfahren seiner Bestimmung zugeführt wurde. Über die technischen Daten zuckte Holger nur relativ ahnungslos mit den Schultern: „Ist halt ein Übergangsmotor." - der letztendlich, dank Engle Typ-1-Nockenwelle, 40er Weber IDF-Vergaser und ein paar anderen Maßnahmen, immerhin rund 80 PS lieferte. Das Käfer-Getriebe und die Käfer-Antriebswellen passten mit relativ simplen Anpassungsarbeiten in das vorher großzügig leergeräumte Heckabteil. Was nicht passte, wurde passend gemacht“, und da galt es natürlich, vormals chirugisch herausoperierte Blechteile wieder zu ersetzen. Mit mehreren Tafeln Karosserieblech, Spenglerwerkzeug und viel Geduld gelang auch diese Operation mit handgefertigten Puzzleteilen.

Zum 1. Mai sollte er nach Hannover rollen

Die Deadline für das abgefahrene Projekt stand schon längst fest: Pünktlich zum 1. Mai sollte der „Luftwerks“ in Richtung Hannover rollen, und zwar bitteschön auf eigener Achse. Das knapp gesteckte Zeitfenster geriet mehrere Male etwas in Bedrängnis, unter anderem als es galt, die Fahrwerksfrage zu lösen. Vorne brachten spezielle Fahrwerksfedern in Verbindung mit roten Konis die Fuhre tiefer. An der Hinterachse bewirkten verstellte Torsionsstäbe zunächst etwas zuviel des Guten, aber mit einem rasch zur Verfügung stehenden Gewindefahrwerk gelang höhenmäßig die Gratwanderung zwischen Genie und ahrsinn.

Der 5 x 112er Lochkreis der BRM-Felgen kollidierte zunächst mit dem Porsche-Lochkreis. Da Holger und Kai unbedingt die originale Bremse behalten wollten, entschlossen sie sich zu Adapterscheiben anstelle einer Modifikation der Bremsanlage. Bei den Reifen war Nankang die erste Wahl. Mit 185/35er an der Vorderachse und 205/40er 17 Zöllern hinten war die Ehre des zurückhaltend auftragenden Gummis gerettet. Der Bug-Tech Schalthebel mit seinen extrem kurzen Schaltwegen erinnert ein wenig an den guten, alten Competition Pro Joystick alter Heimcomputer-Systeme a la Amiga und Atari. Farblich in der Farbe RAL 9016“, umgangssprachlich auch „Verkehrsweiߓ genannt, lugt er wie ein Zepter in den ansonsten serienmäßigen Innenraum.

Safety for the ears!

Am Innenspiegel baumelt übrigens ein ganz alltägliches Utensil, will man den „Luftwerks“ auf längeren Strecken fahren: Ein Gehörschutzbügel mit Ohrstöpseln. „Der Wagen ist furchtbar laut, denn der Motor sitzt gleich hinterm Kopf, nur durch eine Makrolonscheibe und etwas Metall vom Fahrersitz getrennt!“ Außerdem ist der Auspuff mitsamt A1-Endschalldämpfer nicht wirklich zur Geräuschreduzierung gedacht!“

Nachdem er in Hannover und beim Veteranentreffen in Hessisch-Oldendorf zahllose Köpfe verdreht hatte, wurde der „Luftwerks“ von einem neuen Besitzer abgeholt, denn die Erbauer trennten sich von ihrer Schöpfung, die Chancen, für diesen radikalen Umbau in Deutschland jemals eine Zulassung zu bekommen, standen relativ nahe bei Null. Und das erklärt auch „das Kürzel IBD“, Holgers Pseudonym: Irre bis durchgeknallt!

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