Verkannter Mittelmotor-Sportler: Der Porsche 914 – Vorreiter von Porsche Boxster & Co

Die neuesten Modelle aus Zuffenhausen mit Motor vor der Hinterachse sind der Porsche 718 Cayman GT4 und der 718 Boxster Spyder. Gleichzeitig sind sie die jüngsten Erben und aktuell stärksten und schnellsten Repräsentanten jenes Mittelmotorkonzepts, das Porsche vor 50 Jahren mit dem 914 von der Rennstrecke in die Großserie einfließen ließ.

Radikales Design gepaart mit Mittelmotorkonzept aus dem Rennsport

Bis 1969 saß bei den Serienfahrzeugen von Porsche der Motor im Heck. Mit dem Porsche 914, diesem mutig gezeichneten, kantigen Targa mit herausnehmbarem Dach und hippen Klappscheinwerfern, änderte sich das. Wie bei einem Rennwagen rückten die Vier- oder Sechszylinder-Boxermotoren des 914 vor die Hinterachse. Drum herum kreierte Porsche-Chefdesigner Heinrich Klie eine besonders radikale Karosserie, die ganz und gar nicht zur damaligen Vorstellung passte, wie ein Porsche auszusehen hat. Der 914 ist 18 Zentimeter kürzer als der 911 S aus dem Modelljahr 1967, besitzt aber einen fast 24 Zentimeter längeren Radstand. Mit einer Höhe von 1,23 Meter ist er 9 Zentimeter flacher und zudem 4 Zentimeter breiter als der Elfer. Das Ergebnis war ein besonders tiefer Schwerpunkt bei gleichzeitig geringem Gewicht. Selbst der bullige 914/6 mit dem 110 PS starken Zweiliter-Sechszylinder-Boxeraggregat aus dem 911 T wog gerade einmal 980 Kilogramm. Außerdem rückte das Masseschwerpunkt in die Fahrzeugmitte. Damit war der 914 für die damalige Zeit auch mit 80 PS eine wendige, quirlige Fahrmaschine, die gerade bei engen und kurvigen Strecken wie ein Brett auf dem Asphalt lag.

Genau 115.631 Einheiten des 914/4 wurden bei Karmann in Osnabrück bis 1976 gebaut. 3.338 Exemplare des Top-Modells 914/6 kamen bis 1972 direkt aus Zuffenhausen. Außerdem elf der bis zu 210 PS starken Porsche 916, zwölf 914/6 GT für den Motorsport sowie zwei Prototypen mit Achtzylinder-Rennmotor, die eigens für Ferdinand Piëch und Ferry Porsche konstruiert wurden.

Der 914 ist zunächst ein Exot, entsprungen aus einer Kooperation zwischen Volkswagen und Porsche, die jedoch endete, bevor sie richtig begonnen hatte. Heute wird der einst als „Volksporsche“ verschmähte Mittelmotorsportwagen als Ausdruck einer Zeit verehrt, in der die Autofarbe Signalorange in Badezimmer Einzug hielt, die Röcke kürzer, die Koteletten länger und die Schläge der Hosen breiter wurden. Doch Mode war der 914 nie. Tatsächlich kam das Mittelmotorkonzept bereits in den 1930er Jahren zum Einsatz, das Ferdinand Porsche 1934 im Auto Union-Rennwagen Typ 22 realisierte. Beim ersten Porsche-Sportwagen, dem 356 und Roadster „Nr. 1“ von 1948, saß der Vierzylindermotor vor der Hinterachse, die wiederum mittig zum Getriebe angeordnet war. Für Ferry Porsche bot das zweisitzige Cabriolet jedoch zu wenig Stauraum. Daher wanderte der Motor beim Coupé-Modell ins Heck und machte Platz für Notsitze und Gepäck – der klassischen Porsche war geboren.

Das Mittelmotorkonzept und die damit verbundenen motorsportlichen Erfolge des 550 Spyder, darunter der Gesamtsieg 1956 bei der weltberühmten Targa Florio, befeuerten den Mythos Porsche. Rennsportbegeisterte US-Amerikaner liebten und verehrten den 550 Spyder, und der wunderschöne, extrem leichte Aluminium-Zweisitzer mit dem zunächst 110 PS, später 135 PS starken Fuhrmann-Königswellen-Vierzylindermotor avancierte alsbald zu einem Sinnbild seiner Zeit, in der auch James Dean zum Jugendidol wurde, der ewig junge Rebell, der 1955 im Alter von 24 Jahren auf tragische Weise mit seinem Porsche 550 Spyder tödlich verunglückte.

Wer heutzutage noch einen Porsche 914 ergattern möchte, muss mindestens mit 8.000 € rechnen (914/4, hohe Laufleistung, 80-100 PS), ein 914/6 top restauriert und mit wenig Laufleistung liegt schon bei 90-100.000 € und darüber. (Fotos: Porsche AG)

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