Straßenrebell: 1955er Porsche 356 Pre-A Spezial-Coupé von Emory Motorsports

Der Porsche 356 ist zu einer Ikone geworden, und heute ist fast jedes Exemplar ein Kandidat, den es zu retten gilt. Viele werden zu vergnüglichen Fahrzeugen umgebaut, während andere sorgfältig rekonstruiert werden und bei internationalen Wettbewerben antreten. Nicht wenige Besitzer lehnen jedoch die Idee einer Restaurierung ab, die so aussieht, wie der Wagen einst das Werk verlassen hat. Sie genießen es, ihre Porsche auf eine Art und Weise zu individualisieren, wie es sich die Zuffenhausener so niemals ausgedacht hätten. Ihre unkonventionellen Ideen haben ihre Wurzeln in den echten Hot-Rod- und Custom-Shops, die in Südkalifornien entstanden sind.

Gary Emorys Vater Neil besaß den Valley Custom Shop, eine der bekanntesten Werkstätten, aber Garys Interessen führten ihn zu diesen seltsamen kleinen deutschen Autos von Porsche. Jahrelang leitete er die Ersatzteilabteilung eines großen Autohauses und vertiefte sich dabei in alle Feinheiten dieser Automarke. Er liebte es, seine eigenen Autos und die seiner Kunden mit kleinen, individuellen Details zu versehen, und er entwarf sogar eine kleine Plakette mit einem Malteserkreuz, um die serienmäßige hintere Torsionsstababdeckung vom Porsche 356 zu ersetzen. Er nannte seine Autos “Outlaws”.

Sein eigener Sohn Rod war ebenfalls vom Porsche-Fieber gepackt. Gemeinsam begannen sie, zwei stark modifizierte 356er zu bauen. Der erste war ein atemberaubendes Cabriolet, das für Rod gebaut wurde, und der andere war ein 1955er Coupé, das Garys persönliches Fahrzeug werden sollte. Das Cabriolet wurde rechtzeitig für die Porsche-Ehrung in Monterey 1998 fertig, aber das Coupé wurde beiseite gestellt, bis ein Pilot einer Fluggesellschaft aus Florida namens Jeff Hathorn anrief.

Er hatte Rods Wagen in der Zeitschrift Excellence gesehen und wollte etwas Ähnliches haben. Er kaufte das Coupé der Emorys und finanzierte seine Fertigstellung. Dazu gehörte ein kompletter Überrollkäfig und der Einbau eines Hilfsrahmen sowie die Säuberung der Karosserie, um den Luftwiderstand zu minimieren, wozu auch ein abnehmbares Dach gehörte. Die Aufhängung wurde modifiziert und tiefer gelegt, um Handling und Leistung zu verbessern. Vierrad-Scheibenbremsen mit Brembo-Bremssätteln aus einem frühen Boxster wurden zusammen mit charakteristischen 16 x 7“ Spezial-Rädern installiert.

Der neue Antriebsstrang verwendet einen von Dean Polopolous genial konstruierten Vierzylinder-SOHC-„Polo"-Motor. Das 1.507 ccm-Triebwerk basiert auf einem geteilten 901/911 Fünf-Hauptlager-Sechszylinder, bei dem das mittlere Zylinderpaar entfernt wurde und ist mit einer Velasco-Kurbelwelle aus Billet-Stahl, J&E-Kolben in Mahle-Zylindern, Elgin-Nockenwellen und Doppelsteckköpfen ausgestattet. Er wird von zwei Weber 48 IDA-Vergasern und einem maßgeschneiderten Bursch-Auspuff beatmet und bringt es auf 137 PS. Das Fünf-Gang-Getriebe 901 hat eine 904er Hauptwelle und maßgeschneiderte Getriebeübersetzungen. Das „Emory Special'-Projekt wurde ein großer Erfolg, denn das kleine Coupé stellte mit 151,52 mph (= 243,84 km/h) einen neuen inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord in der Klasse E/GT für eine einfache Fahrt auf. Anschließend wurde der Motor komplett überholt, die Karosserie entkleidet und neu lackiert und das Fahrgestell von Heritage Motorcar Restorations in St. Petersburg, Florida, aufgebaut.

Dieser einzigartige Porsche 356, der Inbegriff eines „Outlaw", wurde im November 2003 in Magazin Excellence vorgestellt, gewann 2004 den ersten Platz im Concours beim Brumos Porsche Octoberfest und nahm 2004 an der Daytona Rennsport Reunion teil. Am 16. Januar  2015 wechselte er bei einer Versteigerung von RM Sotheby´s in Phoenix, Arizona, für eine Summe von  258.500 US-Dollar seinen Besitzer. (Fotos: Darin Schnabel / RM Sotheby´s)

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