Rustikale Zeitreise: 77er VW Scirocco-Flachmann mit ehrlichem Rost und bissigem Chromglanz

2007 bekam Michael Gukkenberger, der in seiner Freizeit mit Vorliebe an Autos herumschraubt, diesen 1977er VW Scirocco in Marsrot von seinem Bruder zum Geburtstag geschenkt. Doch statt den Wagen wieder aufzubereiten und auf Hochglanz zu polieren, machte er sich einen Spaß mit einer nur teilweisen Restaurierung und beließ große Teile des Wagens einfach im „Patina-Look“. Das Alter darf dieser Scirocco absolut ungeniert zeigen, und so findet man an Michaels Einser Scirocco an einigen Stellen auch stattliche Rostlöcher, die einen ungehindert tiefen Einblick gewähren.

 

BBS E49 Rennsport-Alus sorgen für Kontrast zum verwitterten Scirocco

 

Diese schicken Räder, die sich an den Achsen des tiefergelegten Scirocco drehen, dürften den materiellen Gesamtwert des Wagens locker übersteigen. Kumpel Thomas Müller, in der Szene bekannt als „Müller Felgen“, stellte einen Satz BBS E49-Rennsporträder zusammen. Mit lackierten Sternen und polierten Betten bieten sie einen interessanten und angesichts ihres Wertes auch irritierenden Kontrast zu dem ansonsten stark verwitterten Wolfsburger. Auf den Reifenflanken steht übrigens 185/35 R17, und die Reifenmarke der flachen Gummipellen konnten wir bequem durch ein Loch im Kotflügel ablesen, bei denen es sich natürlich um Nankang handelt.

 

Bördeln am Rost-Rocco? Gar nicht so einfach!

 

Behutsam legte Michael die Radlaufkanten an, damit nicht noch mehr von der Metallsubstanz wegbröselt. Für den Tiefgang vertraut er auf ein Gewindefahrwerk von FK, dass den kantigen Keil um gute zehn Zentimeter näher am Boden der Tatsachen schnüffeln lässt.

 

Im gecleanten Motorraum lauert 16V-Chrompower

 

Wer jetzt glaubt, unter der Motorhaube ginge es genauso rostig zu, der irrt sich gewaltig. Den Motorraum hat Michael gecleant und alles seiner Meinung nach Überflüssige aus dem Triebwerksabteil verbannt. Dort verrichtet jetzt ein 1,8-Liter-16V-Aggregat seinen Dienst. Nicht ohne vorher eine heftige Überarbeitung erfahren zu haben. Dazu gehören auch die 45er Weber-Doppelvergaser, die den Vierzylinder mit reichlich Sprit versorgen. Motor und Ansaugtrichter sind blitzblank poliert und glänzen in feinstem Chrom, sodass der Gegensatz zum kariösen Body krasser nicht sein könnte. Und auch der Motorlauf des rauhbeinigen, bissig klingenden Benziners scheint nicht von dieser Welt und gleicht von der Zündfolge eher dem Zufallsprinzip. Während Michael nach einem laut knatternden Umparken aus dem Wagen steigt, und sich der Geruch von Benzin und Abgasen langsam mit der kühlen Bergluft vermischt, werfen wir einen neugieren Blick in den Innenraum.

 

Als Klassiker-Fan schön zu sehen, scheint auch hier die Zeit stehengeblieben zu sein. Und bei jedem Detail springt im Kopf die Zeit zurück: Wir sehen ein dünnes Lenkrad mit langen, geraden Hebeln, dahinter einen Tacho und eine Uhr mit konischen Acrylglasabdeckungen, ein Radio mit groben Drehknöpfen, rechteckigen Tasten und einer vereinsamten, roten LED mit Rundkopf, dazu eine mechanische Senderskala für Lang-, Mittel- und Ultrakurzwellen-Empfang sowie weit herausragende Schieberegler für die Luftregulierung darunter. Ein Interieur, wie es die Wolfsburger in den 70er Jahren schufen, dazu Sitze und Verkleidungen, über die sich die Patina innerhalb der Jahrzehnte im alltäglichen Gebrauch ebenfalls verbreitet hat. Es muss eben nicht immer ein Neuwagen und Hochglanzoptik sein, um die Blicke auf sich zu ziehen.

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