Rückblick: Vor 65 Jahren startete die Bulli-Produktion im Werk Hannover-Stöcken

In den Kinos läuft Heinz Rühmann als „Charley‘s Tante“, aus kleinen Transistor-Radios tönt der Elvis Presley-Hit „Love me tender“. Und die Deutschen entdecken ihre Liebe zum Automobil: Das sogenannte Wirtschaftswunder ist da. Der Volkswagen Käfer ist bestverkaufter Pkw des Jahres 1955, knackt im Laufe des Jahres die Millionen-Grenze. Auch der Bulli ist heiß begehrt. Die Produktionskapazität im Wolfsburger Stammwerk, wo der Bulli bereits seit 1950 gebaut wird, reicht längst nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Brot, Bier und Buletten müssen zum Verbraucher. Auch Konsumartikel wie Fernseher und Kühlschränke sollen schnellstmöglich und sicher zum Kunden geliefert werden. Dazu brauchten Geschäftsleute und Handwerker den unverwüstlichen Bulli.

Über 235 Städte und Gemeinden hatten sich für das neue, geplante Transporter-Werk von Volkswagen beworben. Am Ende bekam Hannover den Zuschlag  – dort startete am 8. März 1956 die Produktion des legendären VW Bus, dem Bulli. Notwendig geworden war das neue Werk, weil die Produktionskapazität im Wolfsburger Stammwerk, wo der VW T1 bereits seit 1950 gebaut wurde, längst nicht ausreichte, um die Nachfrage in der Nachkriegszeit zu decken. Schließlich rollte hier ja auch noch der Käfer vom Band.

1955 begannen zunächst 372 Mitarbeiter im schneereichen Winter mit dem Bau. Schon Ende März 1955 waren auf der Baustelle 1000 Arbeiter beschäftigt. Der durch einsetzendes Tauwetter aufgeweichte, matschige Boden musste mit Bohlenwegen gesichert werden, damit Lkw Baumaterial anliefern konnten. Auf dem Gelände selbst entstand nebenbei auch eine kleine, provisorische Stadt mit Baubüros, Versorgungs- und Unterkunftsbaracken sowie Kantinenzelten. Auch geschäftstüchtige Händler mit Verkaufsbuden siedelten sich schnell an.

Nach zwölf Wochen ragten die Mauern die ersten vier Meter in die Höhe. 28 Kräne waren im Dauereinsatz, 22 große Mischmaschinen lieferten täglich 5000 Kubikmeter Beton aus. Insgesamt werden 1,75 Millionen Kubikmeter Erde bewegt – so viel wie damals 256.000 Lastwagenladungen. Ab Mai 1955 waren rund 2000 Arbeiter täglich auf der Riesenbaustelle beschäftigt. Für den Betonguss wurden 600.000 Quadratmeter Schalholz verbraucht. „Damit hätte man einen ein Meter breiten Holzsteg von Wolfsburg nach Basel bauen können“, schrieb ein Journalist damals zum Vergleich.

Gleichzeitig schulte Volkswagen bereits die neuen Mitarbeiter für die Transporter-Fertigung. Mit einem dafür extra eingesetzten Zug fuhren sie jeden Tag um 4.10 Uhr vom Hauptbahnhof in Hannover nach Wolfsburg, wo sie in die Produktion des Bulli eingewiesen wurden. 3000 Beschäftigte sollten den reibungslosen Produktionsstart garantieren. In nur wenigen Wochen war der Karosseriebau eingerichtet, im Februar 1956 war dann auch der mehrgleisige, zehn Kilometer lange Bahnanschluss zum Werk fertig – und es konnte losgehen.

Heute umfasst das Werksgelände von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) 1,1 Millionen Quadratmeter, das entspricht etwa 152 Fußballfeldern. In den zurückliegenden 65 Jahren haben über 9,2 Millionen Bulli vom T1 bis zum aktuellen T6.1 das Werk verlassen. Dazu kamen 1974 und 1975 noch 43.000 VW Käfer und VW 181 sowie bis 2003 über 800.000 LT-Transporter und 1500 e-Crafter (2017 bis 2020) sowie zwischen 1989 und 1995 rund 61.000 Pick-ups vom Typ Taro und von 2012 bis 2020 noch 176.500 Amarok.(ampnet/jri, Fotos: Volkswagen AG)

 

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