Porsche 916 – der schnellste und seltenste Porsche seiner Zeit

Seine Prototypen hat Porsche schon stets penibel bewacht, in seinem Museum aufbewahrtoder sie zerstört, nachdem sie ihren Verwendungszweck erfüllt hatten. In seltenen Fällen entkommen jedoch einige davon und werden von Sammlern regelrecht tollwütig verfolgt. Ein Beispiel dafür ist der vom 914 abgeleitete Typ 916.

 

Der VW-Porsche 914, der aus einer Vereinbarung zwischen Porsche und Volkswagen entstand, kam auf der Frankfurter Automobilausstellung im September 1969 als erster in Deutschland gebauter Serien-Mittelmotor-Sportwagen gut an. Doch der Verkauf verlief schleppend, besonders der des 914/6 mit dem stärkeren Porsche-Sechszylinder, der Absatz blieb hinter den Erwartungen, und Porsche überlegte durchaus, wie der Verkauf des 914/6 angeschoben werden könnte. Beflügelt durch den Erfolg eines umfangreich modifizierten 914/6 GT, der bei den 24 Stunden von Le Mans im Sommer 1970 den sechsten Gesamtrang und den 1. Platz im 2-Liter-GT-Klassement einfuhr und zudem alle 911er hinter sich ließ, nahm Porsche die Flucht nach vorne und begann den 916 zu entwickeln.

 

Er basierte auf einem von Karmann hergestellten und von Baur umfassend modifizierten 914-Chassis, bei dem das abnehmbare Kunststoffdach durch ein eingeschweißtes aus Stahl ersetzt wurde, und der Targa zum Coupé wurde. Baur verstärkte zudem das Fahrgestell und die Aufhängungen, was die Stabilität erhöhte und fügte Kotflügelverbreiterungen aus Stahlblech hinzu, die den 916 um neun Zentimeter verbreiterten. Die GfK-Verkleidungen vorne und hinten wurden neu gestaltet. Sie erhielten vorn einen Lippenspoiler für mehr Abtrieb und Platz für einen zusätzlichen Ölkühler. Das Porsche Design Studio hatte freie Hand bei der Auswahl der Lackfarben und Innenausstattung. Zahlreiche Modifikationen gestalteten das Interieur des 916 eigenständiger und deutlich raffinierter als das des 914.

 

Um den 916 vom 911 S abzuheben, war dafür anfänglich ein 2,6-Liter-Motor geplant. Die ersten drei 916-Prototypen bekamen jedoch einen 2,4-Liter-911 S-Motor mit 190 PS, die späteren Fahrzeuge wurden dann mit einem 210 PS starken 2,7-Liter-Motor bestückt. Trotz dieser Modifikationen wog der 916 rund 75 kg weniger als ein 911 S und war nur 1.000 kg schwer. Damit wurde er zum schnellsten beschleunigenden Porsche seiner Zeit, der den Sprint von 0 auf 100 km/h unter 7 Sekunden absolvierte und rund 240 km/h schaffte.

 

Die Kosten für den 916 gingen durch die Decke

 

In 1971 sollte der erste 916-Prototyp auf dem 58. Pariser Autosalon vorgestellt werden, doch dort tauchte er nicht auf. Ohne hier auf die offiziellen Begründungen von Porsche einzugehen, durch den Ankauf der Karosserien von Karmann, den Modifikationen von Baur und der Endmontage bei Porsche, hätte der Verkaufspreis des 916 bei 45.000 DM gelegen. Im Vergleich dazu lag der Preis für den 911 S bei 30.000 DM. Das passte nicht zusammen. Letztendlich war der 916 viel zu teuer, und das Projekt wurde aufgrund der hohen Kosten eingestellt.

 

Inzwischen waren zehn Exemplare aus der Vorproduktion fertiggestellt. Fünf davon wurden an das Management und Freunde des Unternehmens verkauft. Die anderen wurden später privat verkauft. Der Prototyp von 1971 mit dem Spitznamen „Brutus“, der nicht zur Vorproduktion gehörte, ging an Piëch, der das Auto seiner Frau gab. Es war ein echt giftiges Auto, das mit einem 2,9-Liter-RSR-Motor mit 245 PS ausgestattet war und von dem so manch stolzer Besitzer eines 911 Carrera RS 2.7 nur das Heck sah.

 

Dieser schöne 916er hier, mit der Chassis-Nummer 914.233.0011, war der erste der Serie von 1972 und wurde für den persönlichen Gebrauch von Louise Piëch, der Schwester von Ferry Porsche, gebaut. In der Ausstattungskarte des Designstudios vom 4. Mai 1971 steht, dass dieses Auto in Hellgelb lackiert wurde. Die Innenausstattung bestand aus Kastanienbraunem Leder mit gefalteten Sitzeinsätzen aus Paisley-Cord, der Teppich wurde mit Dunkelbraun angegeben.

 

Frau Piëch nahm „0011“ am 23. Juli 1971 in Empfang und behielt ihn bis 1973, wo das Auto an die Porsche-Ingenieurin Erna Götten verkauft wurde. Im März 1978 bot sie das Auto über eine Blindanzeige im Magazin Auto, Motor und Sport mit einem Mindestangebot von 35.000 DM zum Verkauf an. Danach wechselte 0011 noch vier Mal den Besitzer, ging von Deutschland in die USA, dann nach Japan, wieder zurück in die USA und landete 2008 schließlich in Österreich bei Dr. Thomas Gruber in Wien. In den folgenden Jahren startete er mit Unterstützung von Dr. Georg Konradsheim eine allumfassende mechanische und kosmetische Restaurierung innen wie außen, inklusive kompletter Fahrzeugzerlegung, einem Motor- und Getriebeumbau sowie der Federung, Bremsen und Elektrik. In 2011 waren alle Arbeiten erledigt, und in 2019 kam in Form einer Buchausgabe noch die detaillierte Dokumentation zu 0011 und seiner Restaurierung hinzu.

 

Die Mühen sollten sich lohnen. Durch seine Einzigartigkeit und erstklassige Restauration erzielte dieser 916 Mitte August 2020 bei der RM Sothetby´s Shift -Monterey-Auktion einen Preis von sensationellen 957.000 US$. (Fotos: Jasen Delgado / Courtesy of RM Auctions)

 

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