Nachruf zu Hans Mezger, Porsches genialer Konstrukteur und Motorenpabst

Porsche verdankte Hans Mezger nicht nur den luftgekühlten Sechszylinder-Boxermotor des Porsche 911, er zeichnete zudem für die Gesamtkonstruktion des erfolgreichen 917 und dessen Zwölfzylinder-Triebwerk verantwortlich und war der Schöpfer des herausragendenTAG-Turbo Formel-1-Motors.

Geboren wurde Hans Mezger am 18. November 1929 in Ottmarsheim, einer kleinen Dorfgemeinde bei Ludwigsburg vor den Toren Stuttgarts. Er war das jüngste von fünf Kindern, die Eltern betrieben einen Landgasthof, und Kunst und Kultur wurden im Hause Mezger großgeschrieben. Aber der junge Hans Mezger begeisterte sich auch für Flugzeuge und das Fliegen und so unternahm er mit einer Segelfliegergruppe aus seiner Nachbarschaft hin und wieder einen Ausflug nach Kirchheim/Teck.

 

Hans Mezger besuchte das Gymnasium und entschied sich nach dem Abitur für ein Maschinenbaustudium an der heutigen Universität Stuttgart. Der Andrang an den Universitäten war zu dieser Zeit hoch, und Hans Mezger nutzte die Wartezeit auf einen Studienplatz für das von der Universität geforderte zwölfmonatige Praktikum, das zahlreiche Stationen wie mechanische Bearbeitung, Schweißen, Modellbau sowie einige Wochen in der Grauguss- und Aluminium-Gießerei vorsah. Zu dieser Zeit fuhr er einen NSU Lambretta-Roller, bis er sich 1960 sein erstes Auto, einen betagten und recht abgenutzten 356 kaufen konnte.

 

Einstieg bei Porsche am 1. Oktober 1956 in der Berechnungsabteilung

 

Mit dem Studienabschluss 1956 ging zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders eine wahre Flut von Job-Angeboten einher. „Es waren 28. Doch Porsche war nicht dabei. Ich wollte aber zu Porsche, denn der Sportwagen Typ 356 begeisterte mich. Daraufhin bewarb ich mich, wurde auch eingeladen und man bot mir eine Tätigkeit in der Dieselmotorenentwicklung an. Mir schwebte jedoch die Arbeit an Sportwagen vor. Man zeigte Verständnis und so fing ich in der Berechnungsabteilung bei Porsche an“, beschrieb Hans Mezger seinen Einstieg beim Zuffenhausener Sportwagenhersteller.

 

Nach 1958, Hans Mezger hatte inzwischen geheiratet und mit seiner Frau zwei Kinder, sammelte er erste Erfahrungen mit dem Viernockenwellenmotor Typ 547. Er entwickelte eine Formel zur Berechnung von Nockenprofilen und wurde 1960 Teil des ersten Formel-1-Projekts von Porsche. An der Entwicklung des 1,5-Liter-Achtzylinders vom Typ 753 war er dabei ebenso beteiligt wie am dazugehörigen Chassis des 804. Bei diesem Formel-1-Projekt lernte er viel über die Gestaltung von Brennräumen, was unmittelbar auch der Konstruktion des Sechszylinder-Boxers für den späteren 901/911 zu Gute kam. Im Laufe der Zeit wurde Ferry Porsche mit seiner visionären Unternehmensführung, seinen menschlichen Qualitäten, seiner Würde und seinem großen Einsatz zu seinem Vorbild. Dessen Philosophie, Rennsport zu betreiben, um den besten Sportwagen für die Straße bauen zu können, prägte ihn und seine Arbeit für die ganze Zeit seiner Tätigkeit im Hause Porsche.

 

Konstruktion des 911-Motors und Leitung „Konstruktion Rennfahrzeuge"

 

Beruflich folgten Anfang der 1960er Jahre der weltberühmte „Mezger-Motor“ für den 901 beziehungsweise 911 und 1965 der Aufstieg zum Leiter der von Ferdinand Piëch geschaffenen Abteilung „Konstruktion Rennfahrzeuge“. Sie war der Schlüssel für eine neue Qualität und Dynamik von Porsche im Motorsport. 1965 entstand in nur 24 Tagen der sogenannte „Ollon-Villars-Bergspyder“ und kurz darauf der 910. Mit seiner Konstruktion aus Gitterrohrrahmen, Glasfaser-Karosserie und der Auslegung auf die neue Reifentechnologie aus der Formel 1 wurde der Wagen sozusagen zur Blaupause für alle Rennfahrzeuge, die in den darauffolgenden Jahren entstanden.

 

Vom 917 bis zum TAG-Turbo für die Formel 1

 

Auch bei der Entwicklung des 917 setzte Porsche 1968 auf dieses Konstruktionsprinzip. Mit dem 917 sollte endlich der erste Gesamtsieg für Porsche in Le Mans möglich werden und einmal mehr vertraute Ferdinand Piëch auf Hans Mezger, der die Gesamtkonstruktion des Fahrzeugs und seines Zwölfzylinders übernahm. Das Ergebnis: 1970 und 1971 dominierten die 917 in Le Mans und in der Sportwagenweltmeisterschaft. 1972 und 1973 zeigten die 917/10 und 917/30 dank einer von Porsche selbst entwickelten neuartigen Abgasturboaufladungs-Technologie auch auf den kurvenreichen Strecken der CanAm-Serie, wo es langgeht. Erstmals war es gelungen, der Turboaufladung ein Ansprechverhalten zu verleihen, mit dem Rennwagen und Serienfahrzeuge auf allen Rennstrecken und öffentlichen Straßen eingesetzt werden konnten. Eine Technologie, die Porsche zum Vorreiter auf diesem Gebiet machte und die Hans Mezger und seine Mannschaft 1974 in Gestalt des 911er Turbo auf die Straße brachten. Viele weitere siegträchtige Entwicklungen folgten – für die 24 Stunden von Le Mans, die Sportwagen-WM aber auch für die amerikanische Indy-Serie.

 

Doch das wohl herausragendste Projekt begann im Jahr 1981, als sich Ron Dennis und sein McLaren-Rennstall auf die Suche nach einem schlagkräftigen Turbo-Motor für die Formel 1 machten. Die Wahl fiel schließlich auf Porsche und es wurde beschlossen, einen komplett neuen Motor zu konstruieren, zu bauen und auch vor Ort bei den Rennen zu betreuen. Auch diesmal war Hans Mezger der kreative Kopf und Macher des 1,5-Liter-V6-Motors mit 80 Grad Bankwinkel, der es später im Rennen auf mehr als 1000 PS bringen sollte. 1984 wurde Niki Lauda damit Weltmeister, 1985 und 1986 gelang dies auch Alain Prost. Insgesamt 25 Rennsiege konnte der TAG-Turbo verbuchen, hinzukamen die beiden Konstrukteurs-Weltmeisterschaften 1984 und 1985. Es war ein großartiger Erfolg und gleichzeitig auch der bis dahin bedeutendste Entwicklungsauftrag einer Fremdfirma für Porsche.

 

Porsche blieb er eng verbunden

 

Aus Verbundenheit und Loyalität zu Porsche lehnte Hans Mezger während seiner Karriere sämtliche Angebote anderer Hersteller ab und besaß bis zuletzt einen 911 Carrera 3.0 in Grand-Prix-Weiß – einen begehrten Porsche-Klassiker mit „seinem“ Motor. Journalisten, Technikern und interessierten Fans stand er stets gerne als Gesprächspartner zur Verfügung und begleitete bis zuletzt Veranstaltungen, Messeauftritte und Festlichkeiten von Porsche. Zu seinem 90. Geburtstag richtete das Porsche Museum noch eine Feier mit Familie, Freunden und ehemaligen Weggefährten aus…(Fotos: Porsche AG)

 

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