In Reinform: 1992er Golf II mit starkem VR6-Treibsatz

Noch ein paar Monate mehr auf dem Buckel und dieser Golf (Baujahr 1992) von Normen Beckert wäre eigentlich reif fürs H-Kennzeichen. Dann könnte der Zweier nach deutschem Verkehrsrecht tatsächlich als Oldtimer gelten. Doch sein Zweier soll gar nicht zum alten Eisen gehören. Mit dem nachgerüsteten VR6 ist Normens Golf weit davon entfernt, ein ehrwürdiger Oldie zu sein, der nur noch für kurze Sommerausfahrten aus der schützenden Garage rollen darf. Vielmehr düst der fit gemachte VW dank seiner 174 PS mit spürbarem Vorwärtsdrang in den zweiten Frühling.

Als der Golf II 1992 vom Band lief, werkelten unter der Haube noch zahme 60 Pferdestärken vor sich hin. In 2017 hatte Normen den auch sonst recht brav daherkommenden Zweier erworben, um ihn mit dem kompakten VR6-Sechszylinder aus seinem ausgemusterten VW Golf III aufzurüsten.

Hauptsache ein Golf

„Die vielen Jahre ständiger Nutzung hatten der Karosserie und dem Fahrwerk meines Dreiers mächtig zugesetzt, sodass entweder eine umfassende Restauration oder der Kauf eines neuen Wagens angestanden hätte“, blickt Normen zurück. Aber der Motor des Golf VR6 war noch tipptopp. Das Aggregat sollte daher auf jeden Fall erhalten bleiben, und Normen wollte auf jeden Fall eins: Weiterhin einen Golf fahren! So wurde nach einigen Überlegungen schließlich die Idee geboren, den VR6-Motor in einen 2er Golf zu implantieren.

Altes Auto mit neuer Performance

Ein Golf II mit VR6-Power ist zwar nichts Neues in der Schrauber-Szene, aber noch immer sorgt ein derart hochgepäppelter Zweier auf der Straße dank seines dynamischen Antritts für Überraschungen. Ein weiteres Argument ist der vergleichsweise unkomplizierte Einbau des Sechszylinders in einen Zweier Golf. Einiges an Arbeit bereitete die Organtransplantation freilich immer noch. Dennoch scheute Normen viele weitere Stunden in der heimischen Werkstatt nicht, die dem Golf im Innenraum, am Fahrwerk und an der Karosserie anzusehen sind. Darüber hinaus gönnte er dem Motor in Form der TA-Technix-Abgasanlage mit Fächerkrümmer und 100-Zellen-Kat ein Durchzug-starkes Update.

Bremsen mit Biss

Den auf 174 PS gesteigerten Output des Golf hat eine kernig zupackende Porsche-Bremsanlage, Sechser-Kolben vorne und Vierer-Kolben hinten, stets sicher im Griff. Von einem Porsche( 996) stammen auch die 17-Zoll-Räder, die mit 185/35er Nankang-Pneus bereift sind. Ein implantiertes Airride-Fahrwerk lässt auf Knopfdruck die Rad-Reifen-Kombi spektakulär tief ins Gehäuse der abgesunkenen Karosserie eintauchen.
Die Karosserie erfreut das Auge mit dem seidigen Glanz der frischen Lackierung in Teakbraun-Metallic aus dem Audi-Regal. Durch das gecleante Karosseriefinish, bei dem  Embleme, Signets, Zierleisten und die Antenne entfernt und der Frontstoßfänger geglättet wurden, avanciert der Body zur reinen" Formsache und sorgt zusammen mit den schwarz getönten Scheinwerfern für ein prägnantes Erscheinungsbild.

Beigefarbenes Leder bringt helle Freude ins Interieur

Das teakbraune Topping harmoniert hervorragend mit dem beigefarbenen Leder, welches die Porsche-Vollschalensitze, den Schaltsack, die Türverkleidungen sowie die Seitenteile veredelt. Zur Aufwertung der Ausstattung trägt ferner der Wurzelholz-Schaltknauf bei. Außerdem steigern ein 28er Momo-Lenkrad, die VW-Alu-Pedalerie, zusätzliche Rundinstrumente in der Mittelkonsole und der trutzige Wiechers-Käfig die sportliche Note der Kabine.

Weniger ist mehr

Selbige wurde übrigens zum puristischen Zweisitzer abgespeckt. Rückbank und Dämmstoffe flogen raus, dafür kamen Emotionen rein. Befreit von allem alten Heck-Ballast glänzt der Golf im Fond nun ausschließlich mit den attraktiv drapierten Aggregaten der Airride-Technik, den polierten Verstrebungen des bereits genannten Wiechers-Käfigs und dem schönen Farbschimmer der teakbraunen Bleche.
„So kann der Golf bleiben", resümiert Normen, der mit seinem VW rundherum zufrieden ist. „Aber noch ein bisschen hier und da geht freilich immer", setzt der Hobby-Schrauber augenzwinkernd nach und weckt so geschickt die Neugierde auf etwaige Updates in der kommenden Saison.(Story & Fotos: Mathias Ebeling)

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