Fahrerlebnis der besonderen Art: Unterwegs in einem 91er VW Corrado G60

Heutzutage einmal mit einem originalen Corrado zu fahren, ist schon etwas ganz Besonderes. Gute Corrado, vor allem noch im Originalzustand, gibt es nur noch selten, denn im Zuge des Tuning-Booms Mitte bis Ende der 90er Jahre musste der Corrado oft als „Golf-2-Motorspender“ herhalten. Dementsprechend hoch sind die Preise für einen Originalen.

Autojournalist Mark Wahlers hatte die Möglichkeit, einen 91er Corrado zu fahren, an dem die Motorenpiraterie Gott sei Dank vorbeigegangen ist. Er befindet sich in den Händen von Volkswagen Classic und hat gerade einmal 32.800 Kilometer auf dem Tacho. Technisch unterscheidet sich das 1991er Modell nicht vom 88er Exemplar. Lediglich die klassischen Sebring-Felgen mit dem Kleeblattdeckel in der Mitte sind nicht verbaut.

Die Zeitreise kann losgehen

Frisch poliert steht der flashrote G60 im VW-Depot, eine Fußbaldfeld-große Halle außerhalb Wolfsburgs, in der die VW-Schätze der letzten 50 Jahre lagern. Als erstes folgt unweigerlich der Blick unter die flache G60-Motorhaube auf den sauberen 4-Zylinder, der am Tag der Erstauslieferung wohl kaum herausgeputzter als heute war. Nachdem die Batterie angeklemmt ist, bekomme ich den Zündschlüssel in die Hand gedrückt – also nichts wie rein in das gute Stück.

Das Armaturenbrett im Style des Passat wirkt, verglichen mit dem des Golf, etwas bieder, aber dennoch ein ganze Nummer moderner. Einen digitalen Kilometerzähler oder die extragroße Multifunktionsanzeige konnte der Golf damals nicht bieten. Mit dem ersten Klick des Zündschlüssels beginnt der elektrische Bremskraftverstärker mit seinem integrierten ABS wie wild zu summen an, um die richtige Bremskraft aufzubauen. Ein Zündschlüsselklick weiter und der 1.800er Motor springt an und pegelt sich nach zwei Sekunden im Leerlauf ein.

Auch nach 30 Jahren ist der Corrado alltagstauglich

Erstaunlich leicht lässt sich die hydraulische Kupplung durchtreten, der erste Gang flutscht sauber hinein, was beim verbauten Getriebe mit Seilzugbetätigung nicht immer der Fall war. Dafür stellt sich die Servolenkung etwas bockig. Diese ist zwar serienmäßig vorhanden, aber was die Übersetzung und Verstärkung angeht, ist im Stand nicht gerade viel von einer Lenkhilfe zu spüren. Zum Glück fällt das originale Lenkrad groß genug aus.

Langsam rolle ich aus der Halle und fahre direkt weiter auf die Landstraßen rund um Wolfsburg. Sobald sich die Räder drehen verliert die Servolenkung ihre Härte und wirkt fast schon sportlich direkt. Nach ein paar Kilometern zeigt die MFA-Anzeige erstmals keine Striche mehr, sondern 50 Grad Öltemperatur an. Noch ein paar Grad mehr Wärme gönne ich dem G60. Bei 80 Grad will ich es dann wissen und trete das Gaspedal mit seinem Seilzug durch. Augenblicklich setzt der VW Corrado diesen Befehl in Bewegung um, den notwendigen Ladedruck liefert der mechanische Lader ja schon im Leerlauf. Und so schiebt der G60 den Corrado überraschend zügig vorwärts. Schnell in den nächsten Gang und schon schiebt sich der Heckspoiler in den Rückspiegel, was klar macht, 120 km/h sind jetzt erreicht.

Ein Sound, wie ihn nur ein G-Lader erzeugt

Untermalt wird das Ganze von einem einzigartigen Motorsound, wobei ich das heißere Jaulen des G-Laders irgendwie lauter in Erinnerung habe. Das liegt wohl daran, dass hier kein größeres Laderad verbaut ist, was den Lader schneller drehen lässt, um mehr Ladedruck und Leistung zu erzeugen. Das Motorengeräusch und der einzigartige Klang des Laders passen bei jeder Drehzahl irgendwie perfekt zusammen. Kaum zu glauben, dass die Technik jetzt 30 Jahre alt ist, so geschmeidig und sauber läuft der Motor, der in jeder Drehzahl ein ausreichendes Drehmoment liefert.

Zu gut kann ich mir vorzustellen, mit diesem Corrado auch einen längeren Trip zu unternehmen, denn was das Fahrwerk angeht, ist der Corrado spürbar auf Komfort und Langstreckentauglichkeit getrimmt. Die langen Federwege schlucken Unebenheiten auch heute noch sauber weg. Klar bleibt dabei der sportliche Anspruch des Coupés etwas auf der Strecke, aber so ist es halt, wenn man auf Golf-Technik baut. Dafür erwartet einen keinerlei zickiges Fahrverhalten, die McPherson-Federbeine und Verbundlenker-Hinterachse machen den Corrado, gestern wie heute, zu einem Volks-Coupé.

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