Er brachte Audi auf die Quattro-Idee – der Iltis von Volkswagen

Er war nur ein kurzlebiges Modell in der Produktionsgeschichte von Volkswagen, das nicht in großen Stückzahlen produziert wurde, aber durch seine beeindruckende Leistung bei der Rallye Dakar 1980 zumindest einen bemerkenswerten Erfolg in der Motorsportgeschichte der Marke errang. Damals erahnte allerdings noch niemand, dass er wenig später aufgrund seines Antriebsstrangs im gesamten Volkswagen-Konzern weitreichenden Einfluss nehmen würde: Der Volkswagen Iltis.

 

Ab 1978 wurde er als einheimisches Nutzfahrzeug für die Bundeswehr im Audi-Werk in Ingolstadt gebaut, wo 1979 noch ein ziviles Modell hinzukam. Insgesamt ließ Volkswagen etwas mehr als 9.000 militärische und zivile Exemplare bauen. Obwohl als Volkswagen gebrandet, übernahm hauptsächlich Audi die Entwicklung. Der Iltis war im Wesentlichen eine überarbeitete und aktualisierte Version des DKW Munga, den Audi in den 60er Jahren gebaut hatte.

 

Der VW Iltis wurde intern als Typ 183 (technisch der Ersatz für den Typ 181 „The Thing“) bezeichnet und von einem Team unter der Leitung von Ferdinand Piëch unter Verwendung von Teilen des Munga und anderer Audi-Modelle sowie des Golf 1 und des Käfers zusammengebaut. Er wurde von einem 1,741-qcm-Motor angetrieben, der 70 PS (75 PS mit Premium-Kraftstoff) leistete und mit einem Viergang-Schaltgetriebe inklusive einem zusätzlichen, niedrigen Gang (mit „G“ für Gelände) gekoppelt war. Das interessanteste Teil des Iltis war jedoch sein Antriebsstrang, ein mechanischer Allradantrieb, der einen Hinterradantrieb besaß, dem der Fahrer je nach Bedarf das Allradsystem zuschalten konnte.

 

1980 war nicht nur das zweite Jahr der Produktion des Iltis, es war auch das zweite Jahr der aufkommenden Rallye Dakar. Damals hieß das Rennen noch Rallye Paris-Dakar, deren ursprünglicher Kurs von der französischen zur senegalesischen Hauptstadt verlief. Volkswagen setzte bei der Paris-Dakar 1980 vier Iltis ein. Ein starker Auftritt würde viel Aufmerksamkeit auf den Iltis lenken, da Volkswagen ihn weiterhin an Militärs in aller Welt vermarktete. Konkret hoffte Volkswagen, zwei Ziele zu erreichen: Zum einen wollte man vor allem das französische Militär beeindrucken - und zwar durch die Teilnahme an der Paris-Dakar-Meisterschaft - und zum anderen das Interesse der Öffentlichkeit für das zivile Modell wecken, das innerhalb des aufstrebenden Segments, das als High-End-SUV bekannt werden sollte, einen schweren Kampf zu bestehen hatte.

 

Moderne Rallye-Dakar-Fahrzeuge sind Spezialanfertigungen, von denen viele den Straßenmodellen, auf denen sie basieren, nur oberflächlich ähneln. In den frühen Paris-Dakar-Jahren waren die Wettbewerbsfahrzeuge jedoch überraschend nahe an der Serie. Der Fahrer Patrick Zaniroli behauptete, dass die einzigen Modifikationen, die Audi an den Iltis für die Paris-Dakar vornahm, das Hinzufügen eines größeren Vergasers und einer anderen Nockenwelle waren. Ein weiterer Unterschied in diesen frühen Jahren der Paris-Dakar  war das Fehlen von „Verfolgungsjagd"-Teams von Mechanikern, die die Fahrzeuge an den Haltestellen durchgehend warteten: Die Teams fuhren mit dem, was sie hatten, und wenn etwas kaputt ging, flickten diejenigen an Bord es entweder von Hand zusammen oder waren raus.

 

Der Iltis war ein Außenseiter im Feld der schnelleren Fahrzeuge mit größeren Motoren. Wo die anderen schneller waren, dominierte der Iltis die Paris-Dakar 1980 mit seiner Zuverlässigkeit. Alle vier Iltis-Teams beendeten die Paris-Dakar 1980, wobei Freddy Kottulinsky und Gerd Löffelmann die ersten Plätze belegten und die anderen auf den Plätzen zwei, vier und neun landeten. Diese beeindruckende Paris-Dakar-Leistung bescherten dem Iltis ein paar weitere Lebensjahre unter Volkswagen, aber seine hohen Kosten schadeten ihm auf dem zivilen Markt: Während die Produktion bis Ende der 1980er Jahre in Europa und in internationaler Lizenz nur wie ein Rinnsal weiterlief, rollte 1982 der hierzulande letzte gefertige Iltis aus der Produktionsstätte in Ingolstadt.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Leistung bei der Paris-Dakar 1980 gegen alle Widerstände ausgereicht hätte, dem Iltis einen Ehrenplatz in der Volkswagen-Geschichte zu sichern. Seinen größten Beitrag lieferte er weit abseits der Rallye-Strecke. In Schweden setzte Audi bei Fahrzeugtests im Schnee einen Iltis als Begleitfahrzeug ein und stellte fest, dass das Allradsystem des Iltis unabhängig von der Leistung besser mit dem Wetter zurechtkam als alles anderen. Stellte sich die Frage: Was wäre, wenn das Allradsystem des Iltis modifiziert und sogar in ein Straßenauto eingebaut werden könnte? Die Idee zündete. Innerhalb weniger Jahre revolutionierte der Quattro die Rallye-Welt, und Audi setzte unter dem Kürzel „quattro“ seine Vorstellung eines alltäglichen Allradautos um. (Fotos: Volkswagen of America)

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