Einer von Zweihundert: 1973er Porsche 911 Carrera RS 2.7 Sport

Mitte 1972 hauchte Porsche dem im Wettbewerb stagnierenden Elfer unter dem neu eingestellten Dr. Ernst Fuhrmann aus Kostengründen neues Leben ein. Ausgehend von der 911 S-Plattform bauten die Weissacher Ingenieure einen Rennsport-Homologationswagen, indem sie begannen, das Fahrzeug erheblich zu erleichtern. Zahlreiche Bauelemente fielen einer radikalen Schlankheitskur zum Opfer, darunter die Rücksitze, Bodenteppiche, Armlehnen, Kleiderhaken und die Zeituhr. Zur weiteren Gewichtsreduzierung  trugen zwei leichte Sitzschalen, eine Heckstoßstange aus Kunststoff und der Austausch der Serienfenster durch eine Glaverbel-Dünnverglasung bei. Insgesamt verlor der Elfer gegenüber der komfortablen Touring-Version 115 Kilogramm, was ihm ein Leergewicht von nur 960 kg bescherte.

Das Fahrwerk wurde mit geschmiedeten Vorderachsträgern, verstärkten Hinterachslenkern und Bilstein-Gasdruckstoßdämpfern rundum aufgewertet. Unterschiedlich breite Räder an der Vorder- und Hinterachse ermöglichten zudem gesteigerte Kurvengeschwindigkeiten und eine höhere Bremsleistung. Den Abschluss bildete eine verbesserte Version des klassischen Porsche-Boxermotors, der nach einer Aufbohrung der Zylinder auf knapp 2,7 Liter Hubraum und einer Nikasil-Beschichtung als Motor-Typ 911/72 neu klassifiziert wurde. Er leistete 200 PS und brachte den Carrera Sport in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h sowie auf 245 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Das neue Modell gewann im September 1972 die GT-Meisterschaft der Gruppe 5 und wurde einen Monat später auf dem Pariser Autosalon offiziell als Carrera RS vorgestellt. Die Stuttgarter planten ein Minimum von 500 Exemplaren, um die Homologationsanforderungen zu erfüllen, und diese waren während der Pariser Ausstellung schnell ausverkauft. Weitere 500 Exemplare wurden bald genehmigt, und das Modell erwies sich schließlich als so beliebt, dass bis Ende 1973 1.525 Exemplare hergestellt wurden. Etwa 1.308 dieser Autos wurden mit dem M472 Touring-Paket bestellt, das im Wesentlichen die 911 S-Innenausstattung zurückbrachte, die den täglichen Gebrauch deutlich angenehmer machte.

Schließlich wurden 200 Exemplare als reine Leichtbaurenner produziert, die für den Wettbewerbseinsatz spezifiziert waren und denen jegliche Komfortausstattung fehlte. Der Carrera RS 2.7 Sport (oder Lightweight) dominierte 1973 die Gruppe 3 und 4 und wurde schließlich zur Basis für Norbert Singers erfolgreiche RSR-Rennwagen. Das seltene Modell wird heute von Porsche-Enthusiasten wegen seines Wettbewerbsauftrages, der sportlichen Ästhetik und der genetischen Verbindung zu den mächtigen Rennwagen 934 und 935 Rennwagen geschätzt, die bald darauf folgten.

Dieser extrem originale Carrera RS ist ein solches Leichtbau-Exemplar und eines der ersten 500 Fahrzeuge, die vom Band liefen. Er ist ein originalgetreues und gut dokumentiertes Exemplar, das die originale Werkslackierung sowie den originalen 2,7-Liter-Motor samt 5-Gang-Werksgetriebe besitzt. Laut Porsche-Echtheitszertifikat wurde das Fahrzeug am 23. Dezember 1972 fertig montiert, in Hellgelb lackiert und mit schwarzem Kunstleder ausgestattet. Als Leichtbauexemplar war dieser Carrera RS mit Ausnahme von Dunlop-Performance-Reifen mit keinen wesentlichen Optionen ausgestattet.

Der originale Fahrzeugbrief dokumentiert die frühen Besitzverhältnisse dieses Porsche und gibt an, dass der erste Besitzer, Michael Wagner aus Friedburg, Deutschland, den Porsche am 22. Januar 1973 übernahm. Im Jahr 1978 verkaufte er den 911 an Joachim Erhardt aus Stuttgart, der ihn zwei Jahre später an Richard Alexander verkaufte, einen Amerikaner, der für IBM in Deutschland arbeitete. Alexander importierte das Auto mit europäischer Spezifikation nach seiner Rückkehr in die USA, wo der Elfer etwa drei Jahre lang auf seiner Farm in Watsonville, Kalifornien, stand.

1987 wurde der Carrera RS von Alexander von Phillip Bagley aus Anniston, Alabama, gekauft, der für sein Engagement bei „Klub Sport Racing“ bekannt ist, einer Porsche-Vermittlungs- und Restaurierungsfirma in Riviera Beach, Florida. Bagley lackierte das Äußere im korrekten Original-Gelbton, installierte einen Überrollbügel im Werksstil und frischte den Motor auf, um ihn wieder fahrtauglich zu machen.

1995 erwarb der Porsche-Sammler David Geremia aus Waterbury, Connecticut, den RS 2.7. Er behielt ihn sieben Jahre lang, bevor er ihn 2002 zum Verkauf anbot. Der Einlieferer, ein angesehener Sammler aus Chicago, beauftragte den bekannten Porsche-Spezialisten John Starkey mit der Inspektion des Elfers. Sein schriftlicher Bericht zeigt, dass sich der Wagen in einem sehr guten Originalzustand befindet, einschließlich des Originalmotors und -getriebes. Alle originalen Dünnglasscheiben und Karosserieteile waren noch vorhanden, und die Außenlackierung war in korrektem Porsche-Hellgelb gehalten, mit dem richtigen schwarzen Carrera-Schriftzug entlang der Schweller. Nach dem Kauf im Mai 2002 hat der Einlieferer den Wagen mechanisch aufgefrischt und baute neue Teile, darunter die Benzinpumpe, Zündkerzen, Schläuche und diverse Dichtungen ein. Um die Authentizität des Elfers zu untermauern, besorgte er sich ein korrektes Carrera RS-Lenkrad aus Deutschland sowie das bereits erwähnte Echtheitszertifikat von Porsche.

Als eines von nur 200 Sport-Exemplaren, die 1973 gebaut wurden, ist dieser Porsche ein hochauthentisches und mechanisch originales Beispiel für Stuttgarts großartigen Carrera RS, der jeden Porsche- und Sportwagen-Liebhaber voll begeistert.(Photos: Darin Schnabel | RM Sothebys)

 

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