Heißer Sahara-Wind aus Osnabrück: 50 Jahre VW Scirocco

Erinnert ihr euch noch an das Jahr 1974? Deutschland wurde damals Fußball-Weltmeister, die Ölkrise mit den autofreien Sonntagen war gerade vorüber, und VW stand am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds. Der Abschied vom Käfer war viel zu spät erfolgt, und nun schickte der taumelnde Wolfsburger Auto-Riese mit dem Mut der Verzweiflung auf einen Schlag zwei völlig neue Modelle auf den Markt: den Golf und den Scirocco. Beide wurden Bestseller.

Die Erfolgsgeschichte des Scirocco, der nach einem Sahara-Wind benannt wurde, ist deshalb bemerkenswert, weil er „nur“ ein zweisitziges Coupé mit zwei hinteren Notsitzen war. Sein Debüt feierte der Ur-Scirocco auf dem Genfer Automobilsalon im März 1974. Damals galten solche Auto-Typen noch als Nischen-Produkt. Der italienische Designer Giugiaro hatte die Vision, auf Basis des neuen Golf ein sportliches Coupé als Nachfolgermodell für den Karmann Ghia anzubieten.

Der VW-Vorstand lehnte das Projekt jedoch aus finanziellen Gründen ab, sodass Karmann diese enorme Investition allein realisierte. Der unternehmerische Mut wurde belohnt. Vom Scirocco, den damals Karmann in Osnabrück baute, wurden zwischen 1974 und 1992 rund 800.000 Einheiten verkauft. Der Scirocco II kam 1981 auf den Markt, ein bisschen braver in der Anmutung, aber mit strömungsgünstigem „Kamm-Heck“, Heckspoiler und optionalem Vier-Ventil-Motor – bislang waren Zwei-Ventiler eingesetzt worden. Das Design stammte diesmal aus dem Hause Volkswagen, produziert wurde weiterhin bei Karmann in Osnabrück. Stärkstes Modell war besagter 16V mit 139 PS, der als erster Serien-Wüstenwind schneller als 200 km/h fuhr.

Aus dem Scirocco wird der Corrado, doch nur der Scirocco bleibt

Ab 1988 sollte der Corrado G60 den Scirocco beerben. Allerdings machte die aufwendige Technik des Corrado den Plänen des Marketings einen Strich durch die Rechnung, denn der Corrado war mit über 40.000 Mark seinerzeit das teuerste Modell im VW-Programm. Also beließ man den etwas in die Jahre gekommenen Scirocco als Einstiegscoupé einfach im Programm. Stattliche vier Jahre lang rollten beide Modelle parallel aus der Produktion.

Nachdem die Produktion des Scirocco im Jahr 1992 eingestellt wurde, konnte der Corrado im Alleingang nicht an den Erfolg des Sportcoupés aus Osnabrück anknüpfen und floppte. Bereits 1995 verschwand der Corrado wieder. Trotz eines kleinen Basis-Motors rächte sich am Ende der hohe Basis-Preis. Am Ende wurden vom Corrado nicht einmal 100.000 Exemplare produziert.

2008 - Der Scirocco ist zurück

Ganze 16 Jahre sollten vergehen, bis sich Volkswagen wieder an ein Coupé wagen würde. Erst im Jahr 2008 feierte die Neuauflage des Scirocco Premiere. VW-Chef Martin Winterkorn sagte seinerzeit: „Er ist ein Traum, aber einer, den man sich leisten kann.“ Dieser Nachfolger stützte sich auf das gleiche Erfolgs-Rezept wie der Urahn: Technisch basiert der Scirocco auf der damals aktuellen PQ35-Plattform des Golf der fünften Generation, von dem auch die Motoren und Getriebe stammten. Neu war hingegen das Design, besonders das breite Heck und die rahmenlosen Scheiben der vorderen Türen kamen zum Marktstart gut an. Mit 200 PS war das Modell 2008 überaus flott unterwegs.

Um einen ähnlichen Fehler wie beim Corrado zu vermeiden, sorgte ein turboaufgeladener 1,4er TSI als Basismotor für einen moderaten Einstiegspreis. 2009 folgte der 265 PS starke Scirocco R. Anders als alle R-Modelle davor verzichtete Volkswagen im Scirocco jedoch auf einen Allradantrieb. Dafür gab es eine neue, sportliche Optik mit geänderten Stoßfängern und Felgen. 2014 sorgte ein Scirocco Facelift dafür, dass der Scirocco wieder näher an den aktuellen Golf der sechsten Generation heranrückte. Große Auswirkungen auf die schwächelnden Verkaufszahlen hatte das aber nicht. Bereits drei Jahre später, in 2017, stellte Volkswagen das Kapitel Scirocco ein für alle Mal ein. (Autoren: ampnet/tw / Redaktion VAU-MAX / Fotos: Auto-Medienportal.Net / Volkswagen)

 

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