Kann ein Karmann-Ghia Typ 14 genauso sexy wie ein klassischer Porsche 356 sein?

Nur ein Porsche ist wie ein Porsche. Diese Erfahrung musste selbst Porsche teuer mit Lehrgeld bezahlen. Wir sagen nur Porsche 924 oder noch älter Porsche 914. Wo Porsche dran steht, muss auch ordentlich Porsche drin sein. So und nicht anders wollte und will das der Kunde. Etwas anders ist der Fall hier gelagert. Der Karmann-Ghia Typ 14 wollte nie ein Porsche sein. Und dennoch, kann ein Karmann-Ghia Baujahr 1968 tatsächlich eine Alternative zum Porsche 356 sein?

Der Stammvater ist für beide Modelle der gleiche, nämlich der VW Käfer. Aber während die damals noch junge Firma Porsche den Versuch unternahm, die gegebenen Eckpunkte wie Heckmotor, Luftkühlung und selbstfahrendes Plattenchassis immer weiter in Richtung Sportwagen zu optimieren, hatte der VW Karmann-Ghia Typ 14 dagegen den Anspruch, ein sehr elegantes und durchaus sportlich anmutendes Auto zu sein, das aber mit möglichst niedrigen Betriebskosten. Gleichzeitig verschmolz im Karmann-Ghia hochgelobtes italienisches Design mit deutscher Wertarbeit. Letzteres sollte in punkto Rostvorsorge bis zum letzten Karmann-Modell allerdings ein frommer Wunsch bleiben.

HoffSpeedTV-Video: Karmann-Ghia oder Porsche 356?

Und so entwickelten sich beide Fahrzeuge immer weiter vom gemeinsamen Ausgangspunkt „VW Käfer" weg. Natürlich macht der Karmann, der ja eine Eigenentwicklung von Karmann war und bis zum Produktionsstopp 1974 auch bei Karmann in Osnabrück gebaut wurde  jeden motorischen Entwicklungsschritt des VW Käfers mit. Als 1970 der 1302 S den neuen 1,6 Liter-Motor bekam, erhielt auch der Karmann-Ghia mehr Wumms. Er erhielt auch die moderne Doppelgelenk-Hinterachse, die neue Vorderachse aus dem 1302 bekam er dagegen nicht.

Aber er sah immer noch nach 100 PS aus und so blieb er für den normalen Sportfahrer zeitlebens immer nur die zweite Wahl. Porsche hatte 1965 den 356er in Sachen Leistung ausgereitzt und bot in der Leistungsspitze teilweise hochkomplexe Vierzylinder-Boxer-Motoren mit Königswellen-Ventilsteuerung an, die in der Straßenversion 130 PS hatten. Mehr Leistung würde sich nur durch größere Motoren mit mehr Zylindern gesund realisieren lassen. Die einzigartige Karriere des 911 kündigte sich an. Der Karmann blieb noch bis 1974 im Programm und steckte bei 50 PS fest. Doppelvergaser-Lösungen oder größere Motoren waren nicht geplant oder nicht erwünscht. Nicht vergessen, Volkswagen setzte zu diesem Zeitpunkt schon auf den Golf und seinen sportlichen Ableger, den Scirocco.

Damit blieb das Image des Karmann-Ghia Typ 14 immer etwas gebremst. Die Medien nannten den eleganten Volkswagen einen Hausfrauen-Porsche oder Facharbeiter-Porsche. Ersteres zielte wohl auf das Vorurteil ab, dass die Fahrleistungen des Karmann-Ghias für Frauen ausreichend und beherrschbar seien, zweiteres bemäkelte den sozialen Unterschied zwischen Handwerker und Architekt, zwischen Meister und Akademiker. Beide Ansätze waren weder charmant, noch trafen sie im wahren Leben wirklich zu.

60 Jahre später kann man sich den Karmann-Ghia ganz anders nähern. Seine elegante Formgebung findet noch immer Bewunderung und seine niedrige Silhouette wirkt heute viel sportlicher als bei vielen modernen Sportwagen. Wer da also heute die ein oder andere Pferdestärke vermisst, dem kann geholfen werden. Da sind zum einen die Typ1-Motoren, die in verschiedenen Leistungsstufen dem Zweisitzer schon ordentlich Beine machen. Und das ohne große Umbauten bei seriennaher Optik. Motor und Auspuffanlagen passen. Im Heck ist beim Karmann viel Platz.

Aber wer wirklich Leistung will, der greift gleich ins obere Fach und bestückt seinen Karmann-Ghia mit einem Typ4-Motor aus dem 411/412 bzw. T2b VW Bus und ist somit gewissermaßen mit einem Handgriff schon auf Porsche 914  bzw. Porsche 912 Niveau (letzteren gab es in den USA tatsächlich auch mit Typ4-Motor). Wer sich für das Thema interessiert, der weiß, dass ein Typ4-Motor heute ohne Probleme standfeste 150 bis 200 PS leistet und darüber hinaus sich auch erwirtschaften lässt. Und dann sieht so ein Karmann-Ghia nicht nur schnell aus, er ist es auch.

Die Geschichte des hier gezeigten 68er Modells von Daniel, findet sich auch zwischen diesen Zeilen wieder. Eigentlich hatte Daniel nach einem bezahlbaren Porsche 356 gesucht und diesen 68er Karmann-Ghia 1500 gefunden. Optisch überzeugte ihn das VW Coupé eigentlich sofort, nur beim Thema Leistung musste er nochmal ran. Was er mit seinem Karmann Coupé gemacht hat, erzählt er HoffSpeedTV-Moderator Rolf in dem verlinkten YouTube-Video.Und wir kommen zu dem Schluss, so schön ein klassischer Porsche 356 tatsächlich auch sein mag, ein leistungsstarker Karmann hat durchaus seine Reize. Schaut's Euch an. Ein Porsche ist er deswegen noch lange nicht, muss er aber auch nicht mehr sein.

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