Der Jagdwagen: 1955 Porsche Type 597 Prototyp

Fast 50 Jahre bevor Porsche seinen markensichernden und kassenfüllenden Geländewagen Cayenne vorstellte, gab es den Typ 597. Dieses selten zu sehende und meist übersehene Projekt, das im Rahmen eines umfangreichen RFP-Auftrags der deutschen Armee für leichte Lastkraftwagen durchgeführt wurde, bietet einen wirklich faszinierenden Einblick in Porsches Fahrzeugentwicklungsprozess der unmittelbaren Nachkriegszeit. Viele Komponenten (recycelte und neu entwickelte) zeigen eine funktionale Mischung aus dem Know-how der Marke sowohl in der Sportwagen- als auch in der Traktorenproduktion. Der Typ 597 wird von einigen als Porsches interessanteste und nicht ganz unpassende Kreation angesehen.

NEU FÜR MANCHE, ABER NICHT FÜR FERDINAND

Auch wenn dies der erste Versuch des Stuttgarter Unternehmens war, einen Geländewagen zu bauen, so kann man das von der Erfahrung des Firmengründers nicht behaupten. Es ist wichtig zu wissen, dass Ferdinand Porsche einige Jahre zuvor direkt an der Entwicklung der allgegenwärtigen leichten Militärfahrzeuge Typ 82 Kübelwagen und Typ 86 Schwimmwagen beteiligt war, die natürlich zum Teil auf seinem berühmten Volkswagen-Entwurf von 1939 basierten.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass Ferdinands frühere Erfahrungen auf diesem Gebiet der Produktion von Geländewagen und der Erfüllung von Aufträgen für das deutsche Militär Porsche einen messbaren Vorteil verschafften, als die Bundeswehr am 19. Januar 1953 ihre einschlägige Ausschreibung an den Verband der deutschen Automobilindustrie richtete. Konkurrenten von Porsche bei diesem bedeutenden Auftrag waren die Auto Union und die Borgward-Gruppe. Seltsamerweise war der Volkswagen-Konzern, an den Ferdinand Porsche einen Großteil seines früheren geistigen Eigentums abgetreten hatte, an dieser Ausschreibung nicht beteiligt.

DER TYP 597

Auf dem Papier war der Entwurf, der sich schnell zum Typ 597 entwickelte, trotz seiner militärischen Verwendung in fast jeder Hinsicht ein Porsche: Er war leicht, leistungsstark, luftgekühlt und hatte einen Heckmotor. Eine ausreichend steife Monocoque-Stahlwanne wurde von einer voll unabhängigen Drehstabfederung mit Stoßdämpfern getragen. Der 1,5-Liter-Boxermotor und das Viergang-Schaltgetriebe stammten aus dem Sportwagen 356, wurden jedoch modifiziert und abgestimmt, wobei das Hauptaugenmerk auf der Zuverlässigkeit und nicht auf der Spitzenleistung lag, während eine innovative Vorderachskupplung dem Typ 597 einen zuschaltbaren Allradantrieb verlieh. Die hohe Fahrhöhe und die hochgezogene Wanne des Amphibienfahrzeugs ermöglichten es ihm, Hügel zu erklimmen und auch Gewässer relativ leicht zu überqueren.

Zweiundzwanzig Prototypen des Militärfahrzeugs' wurden ab Anfang 1954 im Werk 1 produziert, parallel zu den Aufträgen von Porsche für den 356 Carrera und den 550 Spyder. Zumindest die beiden ersten Prototypen sollen mit Propellern und Rudern ausgestattet gewesen sein, um die ultimative amphibische Funktionalität zu gewährleisten.

Trotz ermutigender Tests gegen die Konkurrenz erhielt Porsche den Auftrag nicht. Die hohen Entwicklungskosten, der Stückpreis, die Montagezeit und die von der Firma prognostizierten Schwierigkeiten bei der gleichzeitigen Produktion und dem Vertrieb von Ersatzteilen besiegelten den Untergang des Typ 597. Der siegreiche DKW-"Munga"-Entwurf der Auto Union und die vorangegangenen, auf Volkswagen basierenden Typen 82 und 86, die er ablöste, hatten keine dieser signifikanten Herausforderungen des Typs 597 zu bewältigen.

Zwischen 1956 und 1960 vermarktete Porsche das Modell weiterhin an ausländische Armeen und inländische Sportler, was ihm den Spitznamen "Jagdwagen" einbrachte. Vom Typ 597 sollen insgesamt nur 71 Exemplare produziert worden sein, von denen heute nur noch sehr wenige existieren.

PROTOTYP NUMMER 5

Der hier angebotene Typ 597, Chassis 0005, ist der fünfte Prototyp, der zwischen Januar 1954 und Dezember 1955 von Porsche produziert wurde. Wie die anderen Prototypen wurde er wahrscheinlich nach dem Bau noch einige Zeit im Porsche-Werk aufbewahrt, um bei Ausstellungen für die Bundeswehr und andere ausländische Militärs eingesetzt zu werden. Aus einer Kopie seines Werks-Kardex geht hervor, dass er Ende April 1956 an die Löhr & Becker AG, den Porsche-Volkswagen-Vertrieb aus Koblenz, Deutschland, verkauft wurde.

Dieser bedeutende Jagdwagen-Prototyp vom Typ 597 wurde in Deutschland komplett und professionell restauriert. Das Fahrgestell 0005 ist in die korrekte, zeitgemäße olivgrüne Lackierung des deutschen Militärs gekleidet und mit einer passenden grünen Innenausstattung versehen, ein wahrhaft spektakulärer und kurioser Anblick. Ein Satz Seitenvorhänge aus Segeltuch und ein Cabrioverdeck wurden angebracht, um einen ausreichenden Schutz bei jedem Wetter zu gewährleisten. Angetrieben wird Chassis 0005 von einem korrekten luftgekühlten 1,5-Liter-Vierzylindermotor auf 356-Basis und einem Viergang-Schaltgetriebe mit zuschaltbarem Allradantrieb.

Dieses unglaublich seltene und faszinierende Stück aus der Frühzeit von Porsche ist eine perfekte Ergänzung für jede Sammlung, die sich auf die berühmte Stuttgarter Marke konzentriert, da es unter der Obhut des Einlieferers nur wenig genutzt wurde. Der Wagen wird am 19. August 2022 von RM Sotheby´s in Monterey, Californien, versteigert, der geschätzte Wert liegt bei 725.000 - 775.000 US Dollar.

(Fotos: RM Sotheby´s)

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