Ein Hauch von Luxus: 1959er Volkswagen von Beutler

Als die Gebrüder Beutler, Fritz und Ernst, im März 1954 in Genf ihren Sportwagen auf Volkswagenbasis vorstellten, war der VW Karmann-Ghia noch nicht geboren. Es war ein attraktives Ponton-Design mit einer Aluminiumkarosserie, und wenn er nicht die Grundmechanik eines VW-Käfers mit einem 1,2-Liter-Motor und nur 31 PS gehabt hätte, obwohl er mehr als ein Porsche kostete, hätte er vielleicht deutlich mehr Erfolg gehabt.

Ernst Beutler lernte sein Handwerk als Karosseriebauer zunächst bei der Carrosserie Worblaufen, die unter anderem für die Karosserie eines Isotta Fraschini 8AF aus dem Jahr 1924 bekannt ist, der 2015 in Pebble Beach den begehrten 'Best of Show'-Award gewann. 1946 eröffneten Fritz und Ernst Beutler ihre eigene Karosseriewerkstatt in Thun, eine Stadt im Berner Oberland (Schweiz) und erhielten 1948 den Auftrag, sechs der ersten zehn Exemplare des neuen Porsche 356 zu bauen.

Der Beutler-Volkswagen hatte eine Aluminium-Karosserie mit stilisierten Heckflügeln und war um einiges grösser als der Käfer, auf dem er basierte. Die Länge wuchs von 4,07 auf 4,35 Meter, die Breite betrug 1,59 Meter, rund 5 cm mehr als Käfer. Obwohl der Wagen 40 kg schwerer war, lag er besser in der Hand, da der Schwerpunkt tiefer lag und die Karosserie aerodynamischer war.

Die Preisgestaltung war ehrgeizig: Mit einem Listenpreis von 14.950 CHF gegenüber 6.490 CHF für einen Käfer de Luxe und 8.650 CHF für ein Käfer Cabrio war er sogar teurer als der Porsche 356, der einen 1.300-cm³-Motor hatte. Die wenigen glücklichen Kunden erhielten jedoch eine moderne Karosserie mit einem größeren Kofferraum und einem Armaturenbrett mit mehr Instrumenten als beim Käfer, dazu Blinkleuchten, eine Heizung und umklappbare Rücksitze. Die Sitze wurden von Beutler speziell entwickelt und mit Leder bezogen, ebenso wie die Türverkleidungen. Ein Novum war die Lichthupe, eine Seltenheit in jener Zeit. Gegen Aufpreis konnte der Wagen auch mit einem Porsche 356-Motor und -Bremsen bestellt werden. Im Jahr 1957 erfolgte ein Facelifting, und man schätzt, dass nur etwa 28 Beutler-Coupés gebaut wurden, von denen lediglich sechs einen Porsche-Motor verbaut hatten.

Dieses späte Exemplar wurde als Neuwagen von der VW-Garage Herzig in Vevey, Schweiz, zum Preis von rund CHF 11.400 bestellt. Die Farbgebung war hellbraun-metallic mit kontrastierendem schwarzen Dach und einer Innenausstattung in Beige. Die Kommissionsnummer lautete „1156".In den späten 1990er Jahren wurde der Wagen als Restaurierungsprojekt erworben und in der Schweiz gründlich restauriert, wobei die Karosserie vom Rahmen entfernt wurde. Die Karosseriewerkstatt von Eugen Marschall half bei der Restaurierung und hatte das Glück, Fredy Pfister zu beschäftigen, der seine Lehrzeit bei Beutler absolviert hatte und daher mit diesen Autos gut vertraut war.

Die Karosserie wurde erneut in Hellbraun-Metallic lackiert, das Dach in einem passenderen Dunkelbraun, während die Restaurierung des Innenraums Marcel Reusser in Spiez anvertraut wurde, der ihn mit zweifarbigem beige-dunkelbraunem Leder neu ausstattete. Der Kofferraum und der Motorraum wurden mit abgesetztem Vinyl verkleidet. Gleichzeitig wurde die Mechanik überholt und die gesamte Restaurierung dauerte etwa 11 Jahre. Seitdem wurde der Wagen kaum benutzt und präsentiert sich in einem durchweg schönen Zustand.

Dieses seltene Prachtstück ist eines der zahlreichen Oldtimer, die am 3. Juli  diesen Jahres vom Auktionshaus Bonhams im Hotel Gstaad Palace in der Schweiz versteigert werden. Sein geschätzter Wert steht mit 80.000 - 120.000 Schweizer Franken (CHF) in der Liste. Ob sich wohl ein neuer Besitzer findet? Wir sind gespannt!

(Photos: Bonhams)

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.