Der Rekordjäger von Nardo – der ARVW, einer der schnellsten und aerodynamischsten Fahrzeuge aller Zeiten von Volkswagen

Im Jahr 1980, die Folgen von zwei Ölkrisen in den 70ern hatten in Deutschland für ausreichend Diskussionsstoff zum Thema Spritverbrauch und -sparen gesorgt, entwickelt Volkswagen den ARVW (Aerodynamic Research Volkswagen). Ein Auto, bei dem es um innovative Lösungen und Optimierung in Sachen Leichtbau, Aerodynamik und Antriebsaggregate ging. Doch ein explizit spritsparender Wagen stand nicht auf dem Plan. Keine Frage, der ARVW sollte neue Benchmarks setzen, aber da gab es ja noch den Rekordhalter C 111/3 von Mercedes-Benz, dem VW-Entwicklungsvorstand Ernst Fiala endlich die Stirn bieten wollte, und der den Auftrag zum Bau des ARVW gab. Dieser sollte einer der erfolgreichsten und aerodynamischsten Rekordwagen in der Geschichte von Volkswagen werden.

 

Ein fünfköpfiges Spezialisten-Team, darunter der Designer Emil Pommer, kümmerte sich um die Entwicklung. Es entstand ein extrem schlanker, fünf Meter langer Einsitzer, 837 mm hoch und 1137 mm breit, lediglich 800 kg schwer, mit planem und geschlossenem Boden, abgedeckten Radläufen, und ausstaffiert mit einem modernen Fahrwerk auf dem Stand der Technik. Allerdings mit einer Spurweite von gerademal 650 mm, was einerseits eine geringe Stirnfläche (0,73 qm) mit niedrigem Luftwiderstand ermöglichte, aber auch den Einsatz aerodynamischer Elemente für ein stabiles Spurverhalten notwendig machte. Dafür sorgten zwei große Heckflossen und eine Abrisskante am Heck, über zwei verstellbare Bugspoiler wurde der Auftrieb gesenkt. Nach viel Feinschliff an der Karosserie schafften die Aerodynamiker einen CW-Wert von 0,15. Als Träger für die Karosserie, die aus Alu, einem GfK-Mix und sehr leichtem Karbon bestand, diente ein extrem leichter, steifer Gitterrohrrahmen.

 

Im ARVW saß der Fahrer mittig vor dem Motor, einem aufgeladenen 2,4-Liter-Diesel-Reihensechszylinder aus dem LT-Transporter, der mit seinen 175 PS keine besonders sportliche Leistung aufwies. Kupplung und Viergang-Getriebe stammten von Audi, und der Mittelmotor trieb über zwei Ketten die differentiallose Hinterachse reibungsarm an. Die zwei integrierten Alutanks enthielten 130 Liter Diesel und 60 Liter Wasser. Und wozu ein 60-Liter-Wassertank? Ganz einfach, dank der genialen wie einfachen Idee, den Turbolader mittels Wassereinspritzung ins Ansaugrohr durch Verdunstungskälte im Innern zu kühlen, ersparte man sich eine übliche Ladeluftkühlung mit Kühlungsschlitzen – und damit unnötigen Strömungswiderstand.  

 

Der Aufbau des AR-Volkswagens fand übrigens nicht im heimischen Wolfsburg, sondern bei der Badischen Waggonfabrik Rastatt, kurz BWR statt, derselben Firma, die auch den Aufbau für den Rekordwagen C 111 von Mercedes-Benz übernommen hatte. Um die gegenseitige Geheimhaltung bei den Automobilherstellern zu wahren, wurden bei BWR solche Aufträge stets von komplett unterschiedlichen Teams ausgeführt.

 

Im Oktober 1980 stand der Wagen bereit und die VW-Crew machte sich damit zur Rekordjagd auf den Weg zur Hochgeschwindigkeitsstrecke Nardo in Süditalien. Dort sorgte der ARVW für reichlich Aufsehen. Mit dem wagemutigen Formel 1-Rennfahrer Keke Rosberg am Steuer erreichte der ARVW, dank perfektionierter Aerodynamik und trotz relativ geringer Motorleistung, bemerkenswerte 362 km/h. Der Durchschnittsverbrauch lag hier bei 13,6 l/100 km, der bei konstant 250 km/h auf 6,5 l/100 km sank. Insgesamt wurden mit dem ARVW 1980 in Nardo sechs Klassen-Rekorde und zwei Weltrekorde, 500 Kilometer mit stehenden Start (345,26 km/h) und eine Stunde mit stehendem Start (353,88 km/h), aufgestellt. (Fotos: Stiftung Automuseum Volkswagen)

 

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