Der erste Renn-Golf der Welt: 1975er Golf 1 Gruppe 2 von Nothelle Tuning

Im Mai 1974 stellte Volkswagen den Golf vor. Er trat das weltweit erfolgreiche Erbe des VW Käfer an und löste damals nicht nur optisch die runde Linienführung des Käfer mit mutigen, kantigen Konturen ab, die aus der Feder des bekannten Industriedesigners  Giorgetto Giugiaro stammen. Vielmehr läutete er bei Volkswagen technisch eine völlig neue Ära ein. Es war das Ende der bislang mit luftgekühltem Heckantrieb ausstaffierten VW-Modelle und der Produktionsbeginn der neuen Fahrzeuge aus Wolfsburg mit Frontantrieb und wassergekühlten Motoren – bis heute.

Natürlich sollte der Golf, wie auch der Käfer, ein Volkswagen für jedermann werden, für deren Besitzer ein wirtschaftliches Alltagsauto für alle Belange wie Einkauf, Pendeln, Transport, Reisen etc. äußerst praktisch und ein zuverlässiges Fahrzeug obendrein. Nach seinem Debüt dachte wohl noch keiner, dass dieser Newcomer in der Kompaktklasse den Automobilmarkt aufmischen und schon gar nicht von Anbeginn im Motorsport erfolgreich sein würde.

Der schwäbische Auto-Tuner Nothelle widmet sich als Erster dem VW Golf

Rolf Nothelle, damals Inhaber der Auto-Tuning Firma Nothelle, ansässig im Baden-Württembergischen Vogtsburg am Kaiserstuhl, erkannte sofort das Potenzial des neuen Golf in Sachen Rennsport. Zwar wurde der Golf 1 mit einem 1,1-Liter-Vierzylinder-Einstiegsmotor ausgeliefert, der gerademal 50 PS leistete und beim Sprint von null auf 100 km pro Stunde vergingen gemächlich 17 Sekunden. In dieser Disziplin machte auch die erhältliche 70-PS-Version das Kraut nicht fett. Doch als alter Rennsporthase betrachtete Rolf Nothelle den Golf pragmatisch aus einer völlig anderen Warte. Statt mehr Leistung waren als erst einmal Abspecken und gründliches Entkernen angesagt.

Anfang 1975 präsentierte er dann im belgischen Zolder seinen in Knallrot lackierten Renn-Golf zum ersten Mal. Da staunte die Presse und Konkurrenz nicht schlecht, nachdem wenig später sein Golf mit Pilot Bernd Lilier am Steuer bei einem grandiosen Rennen auf der Grand-Prix-Strecke Hockenheimring den ersten Platz belegte. Noch im selben Jahr feierte auch der Golf GTI erster Generation mit 110 PS in Europa sein Debüt und untermauerte später den Golf-Status, für den Rennsport voll tauglich zu sein, was bis heute durchgehend bis zur aktuellen achten Generation gilt.

Ursprünglich wurde dieses Leichtgewicht von einem Rennwagen mit einem 1.598 cm³ Reihenvierzylinder homologiert, der 164 PS bei 8.000/min leistete. Später erfolgte eine weitere Homologation, die den heute verbauten 1,8-Liter-Vierzylinder mit 177 PS betrifft. Dieser äußerst agile Motor reagiert spontan auf jeden Gaspedalbefehl und saugt über zwei 45er Weber Flachstrom-Doppelvergaser sein Lebenselixier mit genial kernigem Sound gierig in die Zylinder, das selbstverständlich kontaktlos gezündet wird. Für eine optimale Fahrdynamik sorgen obendrein ein Uniball-Fahrwerk sowie bissige 4-Kolben-Rennbremsen vorn und mit zwei Kolben hinten.

Restauration des erfolgreichen VW-Newcomers von 1975

Bei der Restaurierung des Golf-Unikats blieb weiterhin alles in der Familie. Marcus Nothelle und seine Firma übernahmen 2011 diese Aufgabe im Auftrag der Volkswagen AG. Anschließend wurde der Wagen im März 2012 auf der Essener Techno Classica der Öffentlichkeit vorgestellt und landete schließlich beim Auktionshaus RM Sotheby´s auf der Liste. Dieser Golf soll nun am 24. Juni 2020 in Essen versteigert werden, dessen Zustand von Sotheby´s als exzellent und für Rennen einsatzbereit eingestuft wird. Ein Preis wurde allerdings bislang nicht genannt. Im Angebot eingeschlossen sind eine lückenlose Dokumentation der Rennhistorie des Wagens sowie zahlreiche, schwer zu findende Ersatzteile, ein Motor und andere originale Gruppe 2-Teile. Auf jeden Fall ist dieses Prachtstück von einem Tourenrennwagen eine tolle Ergänzung für jede Rennwagensammlung. Aber vielleicht ist ja der neue Besitzer auch ein aktiver Rennsport-Fan, der eher heiß darauf ist, mit diesem scharfen Renner selbst auf die Piste zu gehen, statt ihn in einer Halle verschwinden zu lassen.(Fotos: RM Sotheby´s) 

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