Der alte Polizei-Käfer

Als 1989 ein guter Freund Karl-Heinz Balzer auf eine Scheune aufmerksam machte, in der ein alter Käfer schlummern sollte, war die Neugier des VW-Liebhabers groß genug, um dort wenigstens mal einen Blick hinein zu werfen. Der traute seinen Augen nicht, als er dort unter einem Haufen von Müll und Gerümpel ein altes Polizei-Cabrio von 1949 sichtete.

Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass der letzte Besitzer das Cabrio im Juli 1961auf einer Auktion für 500 D-Mark erstanden hatte, das von ihm gerademal vier Jahre lang gefahren worden war. Dann ereilte den Käfer ein Motorschaden und er verschwand sang- und klanglos in der besagten Scheune.

Karl-Heinz ließ es sich nicht zweimal sagen, als man ihm ein Angebot über 1.000 D-Mark für das Polizei-, genauer gesagt Bahnpolizei-Cabrio machte. Zwar war der Käfer in einem völlig desolaten Zustand, aber den in Sachen Restauration erfahrenen Krefelder störte das nicht wirklich, zumal ihm klar war, was für ein seltenes Schätzchen er da vor sich hatte.

 

Der Wagen wurde kurzerhand komplett in seine Bestandteile zerlegt und wie sich herausstellte war der allgemeine Zustand doch nicht so katastrophal, wie es zuerst den Anschein hatte. Allerdings stand dennoch ein Haufen Arbeit an. So musste der komplette Unterboden, die Schweller und zahlreiche andere Blechteile erneuert werden. Einige Bauteile, die völlig weggerostet und nicht mehr aufzutreiben waren, reproduzierte der Tüftler selbst, viele konnte er über den Klassikteile-Spezialisten Hoffmann Speedster ordern! Außerdem stand eine Zerlegung der originalen Bundbolzen-Vorderachse und deren Wiederinstandsetzung an.

Daher ließ Karl-Heinz gleichsam dem Originalmaterial ein neues Verdeck samt Seitenteile anfertigen und auch die völlig runter gewirtschaftete, spartanische Innenausstattung erfuhr eine Rundumerneuerung. Dann war der Motor dran, dessen Schaden doch nicht so kapital wie gedacht ausgefallen war. So erwachte nach rund 25 Jahren das gute alte 24,5 PS-Triebwerk durch gründliche Behandlung wieder zu neuem Leben.

Bei der Restauration legte Karl-Heinz in allen Belangen viel Wert auf die Herstellung des Originalzustandes. Da konnte das Cabrio auch nicht einfach eine neue Lackierung bekommen. Seinerzeit war es Usus gewesen, die Lacke mit Benzin zu verdünnen, aufzutragen und Luft-trocken zu lassen. Und so sollte das offene Gefährt auch seine neue Lackierung verpasst bekommen.

Nach rund zwei Jahren Arbeit stand das Bahnpolizei-Cabrio 1990 wieder standesgemäß da. Aufgrund aller authentischen Details – bis hin zum runden VW-Benzinkanister im Reserverad – und der wenigen gebauten Exemplare, ist es eine absolute Rarität, dessen Marktwert etwa mit einem Hebmüller-Cabrio vergleichbar ist und mal ganz abgesehen vom Sammlerwert schon damals laut Gutachter auf 52.000 D-Mark Wiederbeschaffungswert beziffert

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