Campingbus, Kuhtransporter und Hochzeitsauto: 1965er Samba-Bus mit lebhafter Vergangenheit

Oftmals fangen schöne Automobil-Geschichten unspektakulär an. So im Jahr 1965, als der bei Volkswagen angestellte Horst Schönbach und seine Frau Renate sich einen Bulli als jungen Gebrauchtwagen kauften. Er war zuvor nur kurze Zeit auf Volkswagen zugelassen und sollte vor allem als praktischer Begleiter dienen. Dabei handelte es sich bei dem T1 Bulli um ein echtes Schmuckstück, dem neunsitzigen Sondermodell besser bekannt als „Samba-Bus“. Er leuchtete schon von weitem in der Zweifarblackierung beigegrau/siegellackrot und beindruckte mit Faltdach und 21 Fenstern. Eher unüblich war es, dass dieser Jahreswagen nicht schon nach kurzer Zeit wieder verkauft wurde, wie es seinerzeit bei Werksangehörigen üblich war. Im Gegenteil, dieser Bulli sollte noch lange bei den Schönbachs bleiben.

 

Für die Schönbachs war der Bulli im Urlaub ein tausend Sterne-Hotel

 

Die Familie wuchs um drei Kinder an, was mit dem Bulli kein Problem darstellen sollte, zumal der junge Vater Horst sich von seiner kreativen und geschickten Seite zeigte. In seiner Garage mit Grube wartete er den Bulli nicht nur perfekt, sondern modifizierte ihn auch für Fahrten in den Urlaub. So baute er ein Bett im Fahrerhaus für die Kleinste, ein abnehmbares Aufstelldach mit Bett für die beiden älteren Kinder und Campingmöbel im Innenraum. Stand davor noch ein Zelt, war es für die Familie ein tausend Sterne-Hotel für die schönsten Plätze in Europa. Auf den Fahrten in den Urlaub war es für „Bulli-Kinder“ normal, dass im Kofferraum über dem brummenden, Vierzylinder-Boxer mit 1.493 ccm und 44 PS ein warmes, perfektes Plätzchen zum Schlafen war.

 

Über die Jahre fuhr die Familie über 280.000 km mit dem Bus. Er war alles andere als verhätscheltes Sonntagsauto, sondern wurde für alle erdenklichen Transportaufgaben genutzt. So kam es auch vor, dass mal Kühe oder Schweine damit unterwegs waren. Wenn es darum ging, ein praktisches Nutzfahrzeug zu haben, musste er für alles Mögliche herhalten, egal ob für den Transport von Steinen, Regalen oder als Fahrschulauto für den Nachwuchs. Aber auch für schöne Momente wurde der Bulli genutzt, beide Töchter fuhren damit zu ihren Hochzeiten. So ein treuer Familienbegleiter ist schon toll, aber da wurde bei den Schönbachs nie ein Aufheben darum gemacht. Der Grund, warum der Bulli auch keinen Namen hatte. Wenn über ihn gesprochen wurde, war in den letzten Jahren immer nur von „Opas Bus“ die Rede.

 

Schmerzliche Trennung nach über 50 Jahren

 

Da alle drei Kinder aber keine Autonarren und im Gegensatz zum Vater Horst auch keine „Auto-Schrauber“ sind, tagte 2015 der Familienrat. Aufgrund des Fortschreitens einer schweren Erkrankung von Familienoberhaupt Horst wurde entschieden, dass der Wagen in andere, gute Hände kommen sollte. So lehnte man das Angebot eines Kaminbauers, der ihn mit einem Ofen versehen als Ausstellungsstück nutzen wollte, dankend ab.  Mit Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer fand Familie Schönbach schließlich einen Käufer, bei dem sie das gute Gefühl hatte, dass der Wagen auch in Zukunft fürsorglich gepflegt wird. Dennoch war es eine schmerzliche Trennung, als der Wagen im Sommer 2015 schließlich abgeholt wurde. Fast die ganze Familie war da, Renate und Horst, zwei ihrer drei Kinder und vier Enkelkinder, und da flossen natürlich auch Abschiedstränen.

 

Opa Horsts Bus heißt nun Renate

 

Nach der Restaurierung gab es dann aber ein Wiedersehen, und die Freude bei Familie Schönbach war natürlich riesig, und trieb einigen die Tränen in die Augen. Die Familie rund um Renate Schönbach war glücklich zu sehen, dass „Opas Bus“, inzwischen in einem perfekten Zustand, bei VWNO in guten Händen ist und beschloss spontan, ihren frisch zum Leben erweckten Bulli auf den Namen „Renate“ zu taufen. „Schade, dass Horst 2018 von uns gegangen ist, er wäre sehr glücklich, seinen Bus so zu sehen“ sagte Renate Schönbach. Und auch die jüngste Generation der Familie kann sich darauf freuen, denn sollten sie eines Tages heiraten, kann sie traditionell wieder in ihrem ehemaligen Bulli zur Trauung fahren. Nicht nur reine Ehrensache, auf Wunsch einer Enkelin wurde dies sogar im Kaufvertrag vermerkt. (Fotos: VW Nutzfahrzeuge Oldtimer)

 

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