"Alte Dame" mit Patina: Ein 1960er Karmann Ghia zum puren Cruisen

Außer im Museum bekommt man heutzutage einen Karmann Ghia auf offener Straße nur noch im Rahmen der traditionellen Treffen für luftgekühlte VW-Klassiker zu Gesicht. Die einzigartige Linienführung der in Osnabrück gebauten Modelle zieht auch heute noch Automobilisten in ihren Bann, dementsprechend gefragt sind die Exemplare bei Sammlern und Fans.

 

Schrauben an Oldies entschleunigt

 

Wenn es sich um alte Autos handelt, dann ist Hannes Dreier aus Österreich ein leidenschaftlicher Hobbyschrauber. Das kommt nicht von ungefähr, denn mit seinem Bruder und Vater hat er gleich zwei Familienmitglieder, die beruflich an Autos schrauben. Hannes schätzt besonders die „entschleunigende“ Wirkung klassischer Automobile, und nachdem er seinen VW Passat verkauft hatte, begann er daher nach einem Käfer, Bus und vor allem Karmann Ghia zu suchen.

Das Objekt seiner Begierde fand er nach einiger Suche schließlich in rund 400 Kilometer Entfernung im Osten Österreichs, einen 1960er Karmann Ghia. „Kurz“ hingefahren, unter die Lupe genommen und gleich gekauft, transportierte er den Karmann per Trailer nach Hause. Statt eines bewegten Lebens hatte dieser Typ 143 eigentlich nur einen Besitzer. Dieser verstarb früh, und das Auto stand lange Zeit in einer Garage herum, ehe die Gattin das Gefährt zwischenzeitlich weiter verkaufte. Der neue Eigentümer lagerte das Fahrzeug nur ein, ohne es ein einziges Mal aktiv zu bewegen.

 

Vor dem Rollout kam der Papierkrieg

 

Ehe jedoch der Karmann wieder auf die Straße rollen durfte, bekam Hannes graue Haare. „Der Wagen hatte keine Originalpapiere mehr, was sich als eine der schwierigsten Aufgaben herausstellen sollte“, erinnert sich der 24-Jährige. Erst nach unzähligen Telefonaten mit dem Land, der Polizei und TÜV-Prüfern war es möglich, dem Auto wieder ordnungsgemäße Papiere zu verschaffen.

Hannes entfernte die dicke Staubschicht vom Lack und staunte über den recht guten Zustand der Lackierung. Klar, Väterchen Rost und der Zahn der Zeit hatten deutliche Spuren am Blech hinterlassen, aber Menschen sehen nach einem halben Jahrhundert auch nicht mehr so faltenfrei aus, wie in der Jugend. Die Arbeiten beschränkten sich daher zunächst auf eine Generalüberholung der Technik.

 

Dank Spezialteile liegt der Karmann tiefer als jemals zuvor

 

Dann ging es dem Fahrwerk an den Kragen und ein Luftfahrwerk kam zum Einsatz, Kompressor und Lufttank verschwanden im Kofferraum. BRM-Felgen in 17 Zoll rundeten die Retro-Optik ab. So ausgerüstet führte die erste Ausfahrt Hannes und seinen Karmann an den Wörthersee, der sich in jenem Jahr aufgrund heftiger Schneefälle als „Wörtherschnee“ wohl für immer ins Gedächtnis der See-Fahrer eingebrannt hat. „30 Zentimeter Schnee rund um den See und wir mittendrin“, lacht Hannes, „war eine sehr angenehme und interessante Fahrt.“ Der 30-PS-Motor und erfreulicherweise auch die Heizung leisteten hier ganze Arbeit.

 

Kein Stress dank 30 PS

 

Angesichts der positiven Reaktionen von jungen und alten Autofans war Hannes überaus begeistert. So machte das Cruisen um den See noch mehr Spaß. Später folgte ein Felgenwechsel auf BBS E50-Modelle (sieht man am Karmann Ghia auch nicht alle Tage) und der 1.200er Motor wurde komplett überholt. Der „alten Dame“, wie Hannes seinen Oldtimer liebevoll nennt, geht es gut. Während der Winterzeit steht sie auf originalen Stahlfelgen und Weißwandreifen in einer Großraumgarage, wo sie auf einem trockenen Plätzchen ihren Winterschlaf hält. Und sobald die Sonnenstrahlen Natur und Umwelt im kommenden Frühjahr zu neuem Leben erwecken, wird Hannes wieder den Zündschlüssel von seinem Karmann herumdrehen. Die alte Dame wird sich ein wenig schütteln, sie wird ein wenig husten und dann wird sie Hannes bei Ausfahrten wieder jede Menge Freude bereiten - ganz ohne Hektik.

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