1960er Emory Porsche Momo 356 RSR Outlaw

Der Porsche 356 war bei seiner Einführung alles andere als ein Gesetzloser. Vom Konzept her war er eher ein unscheinbares, kleines Auto, das im harten Kontrast zu den vergleichsweise überreizten Alfa Romeo- und Mercedes-Benz-Sportwagen stand, die den Vorkriegsrennsport dominierten. Anders als seine Zeitgenossen war Ferry Porsche von der Idee begeistert, ein relativ leistungsstarkes Auto mit einer einfachen, leichten Konstruktion zu kombinieren. Obwohl diese Idee heute so naheliegend erscheint, schließlich machte sie Porsches Sportwagen mit Heckmotor zu Ikonen, war sie zu jener Zeit ein völlig fremdes Konzept. Es sorgte für sehr brauchbare Sportwagen, die mit Begeisterung gefahren werden konnten.

Es war auch eine geeignete Leinwand für kreative Neuinterpretationen. Als der 356er neu auftauchte, wandten sich dieselben kalifornischen Heißluftballonfahrer, die Fords und Chevrolets modifizierten, dem Porsche zu. Sie rissen die Stoßstangen ab, tauschten die Felgen gegen bessere Einpresstiefen aus, schweißten Stinger-Auspuffanlagen dran und nahmen entweder Canyon-Straßen in Angriff oder fuhren auf die Rennstrecke, um dort sanktionierte Wettbewerbe auszutragen. Diese Fahrer mixten kalifornische Custom-Mentalität mit deutscher Ingenieurskunst und brachten die nackten Sportwagen so heftig zum Vorschein, dass selbst die besonnenen Ingenieure in Zuffenhausen schließlich mit dem 356 Speedster nachgaben.

Jahrzehnte später hatte sich die Szene dramatisch verändert. In den 1970er- und 1980er Jahren stürzten sich Sammler in Scharen auf italienische und dann deutsche Sportwagen und restaurierten sie für Concours-Veranstaltungen und bewertete Shows und brachten sie in einen besseren als ihren neuwertigen Zustand. Obwohl diese frühen Sammler sicherlich unzählige Autos vor Schrottplätzen retteten, ehrten sie diese wichtige, kreative Ära in den frühen Tagen von Porsche nicht.

Gary Emory wuchs im San Fernando Valley außerhalb von Los Angeles auf. Dort betrieb sein Vater Neil „Valley Custom“ und belieferte in den 1950er Jahren Vorstadt-Hot Rodder mit einer Vielzahl von Geschwindigkeit-fördernden Teilen. Anfang der 1990er Jahre war Gary Emory mit „Parts Obsolete“ vollständig mit der Porsche-Welt verwurzelt und galt als der Inbegriff für seltene Porsche-Teile, ganz zu schweigen von seinem außergewöhnlichen Detailwissen. Gary war das Bindeglied zwischen den beiden unterschiedlichen Gruppen von Porsche-Enthusiasten: Den Puristen und den Gesetzlosen.

Der Aufstieg der Outlaws

Die Definition dessen, was einen Gesetzlosen zum Gesetzlosen macht, ist eine dieser Situationen:„Sie werden es erkennen, wenn Sie es sehen.“ Obwohl oft und in vielen Fällen erfolgreich nachgeahmt, ist die Mischung aus zeitgemäßem Stil, der sowohl vom Rennsport als auch von der Luftfahrt, der Architektur und sogar von Launen beeinflusst ist, kaum zu perfektionieren.

Garys Know-how und Liebe zum Detail gab er an seinen Sohn Rod weiter, der die Idee eines Outlaws zu einer der bekanntesten Marken in der Porsche-Welt verfeinert hat. Rod Emory ist der 356er Spezialist, der mit seinen Firmen Emory Motorsports und Emory Design seit 1996 erfolgreich die „individuellsten Porsche 356 der Welt“ produziert, die unter anderem auch bekannt dafür sind, dass sie bei Versammlungen anderen die Show stehlen und dabei gleichzeitig den Asphalt aufreißen.

So wandte sich Henrique Cisneros, Chef der legendären italienischen Autozubehör-Marke Momo, als er die Fähigkeiten seiner Marke präsentieren wollte, an Rod Emory und stellte die Frage: Wenn Sie irgendeine Komponente aus dem Erbe von Momo auswählen und dann einen Porsche 356 darum herum entwerfen könnten, welche wäre das? Rods Antwort war einfach: Seine liebsten Räder aller Zeiten sind die Momo-Fünfspeichenräder, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren in den Rennwagen 935, 956 und 962 verwendet wurden.

Natürlich war klar, dass für solch ein Projekt nicht einfach ein Satz modernere Räder für einen 356er Oldtimer reichen würde. So ein Auto erforderte Modifikationen, ein modernisiertes Triebwerk und ein überarbeitetes Styling, um repräsentativ zu sein - eigentlich war eine komplette Outlaw-Behandlung erforderlich. Rod hatte schon immer den Wunsch, einen 356er mit Blick auf den Wettbewerb zu bauen, eine Übung, wie ein 356er ausgesehen hätte, wenn Porsche ihn vom Rennsportstandpunkt aus weiter entwickelt und ausgebaut hätte. Dieses Projekt würde diesen Traum Wirklichkeit werden lassen. Nach vielem Hin und Her von  verschiedenen Ideen und Konzepten gab Rod Emory schließlich grünes Licht für den Bau des Autos.

Eine überzeugende Kooperation

Der Emory Porsche Momo 356 RSR Outlaw vereint so einiges von dem, was Porsches und insbesondere Emorys Einzigartigkeit ausmachen. Er behielt den grundlegenden „Upside-Down-Badewannen"-Look des 356 bei, aber die Karosserie bekam ein steiferes Chassis der 964er Generation. Das Äußere ist wirklich umwerfend, mit Schiebefenstern an den Seiten, ausgestellten Kotflügeln mit außenliegenden Verschlüssen und einem Kamm-ähnlichen Heck, das wenig vom Triebwerk der Fantasie überlässt; die exponierten, kunstgaleriewürdigen Endrohre erinnern an FIA-Gruppe 5-Rennen. Natürlich kamen beim 356 RSR Outlaw die besten Teile von Momo zum Einsatz. Die Hauptinspiration für die Konstruktion, die Momo-Fünfspeichenräder mit Zentralverschluss, sind prominent mit Pirelli P Zero-Reifen bespannt und auf Naben vom Porsche 935 Rennwagen montiert.

Das Interieur des Wagens verbindet modernen Momo-Style mit einem Retro-Look. Er verfügt über rote Rennsitze mit Sechs-Punkt- Sicherheitsgurten, eine Tilton-Pedaleinheit und ein klassisches Prototipo-Lenkrad, das historische Instrumente umrahmt – alles aus dem Hause Momo. Ein wunderschöner, im Retro-Stil gestylter Holzknauf krönt den Schalthebel, eine Hommage an Porsches goldenes Rennsportzeitalter.

Der leistungsstarke 2,4-Liter-Flat-Four mit Doppelturboaufladung wird von einer Rothsport-Kraftstoffeinspritzung gespeist. Die Garret-Turbos und die großen Ladeluftkühler ermöglichen eine Leistung von fast 400 PS, gepaart mit weniger als 1.000 Kilogramm - das Leistungsgewicht hätte Ferry Porsche sicherlich begeistert. Die Leistung wird durch ein relativ modernes G50-Fünfgang-Transaxle nach hinten geleitet. Darunter tun Sturzbleche von Eisenlohr Racing und Anti-Pendelstützen von Tarett Engineering ihr Bestes, um dieses Ungestüm zu zähmen.

Die unzähligen Details dieses Autos ziehen einen zweiten, dritten und vierten Blick auf sich. Mit dieser einzigartigen Konstruktion für Momo hat Rod Emory ein überzeugendes „Was wäre, wenn" geschaffen... was wäre, wenn Porsche einen 356 RSR gebaut hätte? Wahrscheinlich hätte er ungefähr so aussehen können (Fotos: Drew Phillips | RM Sotheby's)

 

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