1955er Porsche 356 Carrera 1500 GS Speedster mit Fuhrmann-Motor

Porsches großartiger und komplexer Carrera-Viernockenmotor wurde in den frühen 50er Jahren von Dr. Ernst Fuhrmann entworfen, um den kleinen 550 Spyder, den ersten reinrassigen Rennwagen des Unternehmens, anzutreiben. Der geniale Ingenieur scherzte später, dass er ihn den „Schubladenmotor" nannte, weil er seine Konstruktionsunterlagen in die Schublade seines Schreibtisches stecken musste, wenn Dr. Ferdinand Porsche sein Büro betrat, denn das Projekt war noch nicht genehmigt.

Nach den Klassensiegen des 550 bei den mexikanischen Straßenrennen der Carrera Panamerica beschloss Porsche, diesen potenten kleinen Motor auch in seinen Seriencoupés und offenen Speedstern und Cabriolets anzubieten. Diese speziellen und sehr teuren Automobile trugen in Anerkennung dieser Rennerfolge den Namen „Carrera" und sind heute extrem selten und begehrt.

Der erste Porsche Speedster mit Schubstangenmotor erschien 1954, nachdem der New Yorker Importeur Max Hoffman und der Vertriebspartner an der Westküste, John von Neumann, das Werk ermutigt hatten, einen leichten und spartanischen Sport-Roadster anzubieten, um preislich mit den populären britischen und italienischen Sportwagen der Zeit konkurrieren zu können. Die Speedster etablierten sich schnell als die zu schlagenden Autos in ihren jeweiligen Klassen. Nachdem ein Porsche 356 Coupé mit Fuhrmann-Motor 1954 die zermürbende Rallye Líege-Rom-Líege gewonnen hatte, baute Porsche zu Testzwecken einen Typ 547-Viernockenwellen-Motor in einen Speedster ein, und ähnliche Motoren wurden in zwei 356 Coupés eingebaut. Bald darauf begann die Kleinserienproduktion mit nur hundert Stück.

Den ersten 356 Carrera Pre-A Speedster, der für den öffentlichen Verkauf bestimmt war und im Juli 1955 fertiggestellt, beschrieb Marco Marinello in seinem Standardwerk Porsche Speedster Typ 540. Die Gesamtzahl der fertiggestellten Carrera Speedster belief sich auf 148 Exemplare. Optisch waren diese speziellen Fahrzeuge nahezu identisch mit den Serien-Speedstern, die mit weniger leistungsstarken Stoßstangenmotoren ausgestattet waren; lediglich kleine goldene Schriftzüge auf den vorderen Kotflügeln und am Heck sowie ein paar zusätzliche Schalter am Armaturenbrett signalisierten, was sich unter der Motorhaube befand.

Die vier obenliegenden Nockenwellen wurden von einer Kombination aus Hohlwellen - eine davon hohl und mit einem runden Stück Birken-Hartholz versehen - und spiralförmigen Kegelrädern angetrieben. Die aufgebaute Hirth-Patentkurbelwelle und die einteiligen Pleuelstangen liefen in Rollenlagern. Die Schmierung erfolgte durch Trockensumpfschmierung und es gab eine Doppelzündung, wobei die Verteiler zunächst von den Enden der Einlassnocken angetrieben wurden. Der 1,5-Liter-Typ 547 leistete satte 100 PS bei 6.200 U/min und erstarkte bei hohen Drehzahlen. In einem so leichten Chassis waren die Fahrleistungen berauschend: Als GT Speedster mit 110 PS schaffte der Carrera im ersten Gang 65 km/h, im zweiten bis 112 km/h, im dritten bis 160 km/h und im letzten fast 193 km/h.

Laut Werks-Kardex wurde dieses wunderbare Exemplar mit der Fahrgestellnummer 81062 am 13. Dezember 1955 fertiggestellt, und die Werksangaben bestätigen, dass es der siebte Carrera Speedster von nur fünfzehn gebauten Pre-A Carrera Speedster ist. Im Kardex steht, dass der rot über braun lackierte Wagen mit einem frühen (einteiligen) 1.488-cm³-Viernockenmotor - Nummer P90523 - und einem Viergang-Schaltgetriebe, gestempelt mit der Nummer 7574H, ausgestattet war. Nachdem er nach US-Spezifikationen mit Sealed-Beam-Scheinwerfern und Instrumenten in Meilenangaben fertiggestellt worden war, ging er per Schiff zur Hoffman Motor Company in New York. Der Kardex listet seinen ersten Besitzer als Mr. E.H. Übelhoer, und es gibt zwei Einträge für einen Händlerservice bei Hoffman, am 5. Oktober 1956 und nochmals am 31. Mai 1957.

Dann verliert sich die Spur von 81062 kurzzeitig. Es scheint, dass er Anfang 1978 durch die Hände von einem Herrn Robert von Bereghy aus Milwaukie, Wisconsin, ging, denn dieser schrieb an das Werk und bat um weitere Informationen über den Wagen. Der nächste bekannte Besitzer war der verstorbene Carrera Speedster-Autor und Sammler Stephen Heinrichs. Irgendwann wurde der Originalmotor vom Auto getrennt, aber Heinrichs konnte ihn ausfindig machen und in das Auto zurückbringen. Der Wagen wurde schließlich an Mike Marix von The Candy Store in Palm Springs, Kalifornien, verkauft und zugelassen. Dieser wiederum verkaufte es an den Autosammler John McCaw aus Seattle, Washington.

McCaw schickte den Wagen zur renommierten John Willhoit Auto Restoration in Long Beach, Kalifornien, wo über 2½ Jahre lang eine umfassende, showtaugliche, mechanische und kosmetische Überholung durchgeführt wurde. Nach den üblichen Rostreparaturen und der Metallbearbeitung wurde der Wagen in seinem originalen Speedster-Rot neu lackiert und das Interieur mit frischem, hellbraunem Leder von Autos International neu gepolstert, die auch ein neues Verdeck und einen neuen Satz Seitensteckscheiben lieferten. Eine neue Windschutzscheibe wurde ebenfalls eingebaut. Alle Instrumente bekamen eine Überholung durch North Hollywood Speedometer, und Willhoit konnte einen Großteil der Originalverkleidung des Wagens wiederverwenden. Eine korrekte, neue Auspuffanlage mit zwei Auslässen wurde eingebaut, und Willhoit baute auch einen neuen „Spyder"-Auspuff ein, der aus Deutschland bezogen wurde. Neue asymmetrische „Turbinen"-Zierringe wurden an allen fünf Rädern angebracht. Dazu kam ein Paar stoßstangenmontierte Fahr- und Nebelscheinwerfer.

Die nächste Station für diesen schönen Carrera Speedster war ein Sammler in Oregon, der wiederum Willhoit bat, ihn auf den Markt zu bringen. Über Classic Parts in Saarbrücken wurde er an den heutigen Besitzer vermittelt. Nach seiner Ankunft in Europa schickte der Einlieferer ihn zum weltbekannten Carrera-Spezialisten Karl Hloch im schwäbischen Schorndorf, der den Motor auffrischte und die Kurbelwelle von Rollen- auf Gleitlager umstellte, um die Fahrbarkeit und Zuverlässigkeit zu verbessern.

Dies ist einer der ersten gebauten Carrera Pre-A 1500 GS Speedster und wohl einer der schönsten seines Typs. Er stand Oktober letzten Jahres beim Auktionshaus RM Sotheby´s zum Verkauf, geschätzter Wert stolze 1,1 bis 1,3 Mio britische Pfund (1,280 bis 1,512 Mio Euro), fand aber zu diesem Zeitpunkt keinen neuen Besitzer.(Photos: RM Sotheby´s)

 

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